Aufarbeitung international

Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche geschieht weltweit. Länder wie Irland, Australien oder Kanada setzen sich schon seit mehr als zwanzig Jahren mit der Aufarbeitung von systematischem Kindesmissbrauch in Institutionen auseinander und richteten schließlich unabhängige Kommissionen zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ein. Eine Literaturliste mit internationalen Berichten abgeschlossener sowie laufender Untersuchungen gibt einen Überblick.

Beispiele unabhängiger Kommissionen in anderen Ländern

Aktuell gibt es international folgende staatliche Kommissionen zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs

Im Januar 2013 setzte der General-Gouverneur des Commonwealth of Australia im Namen der britischen Königin die sechs-köpfige Royal Commission unter dem Vorsitz von Richter Peter McClellan ein. Sie hat die Aufgabe zu untersuchen, warum Schutzsysteme versagten und wie Institutionen auf Vorwürfe und Fälle von sexuellem Missbrauch reagiert haben.

Die Untersuchungen beziehen sich auf alle privaten, öffentlichen oder nicht-staatlichen Organisationen, die in der Vergangenheit oder bis heute mit Kindern zu tun haben, einschließlich Behörden, Schulen, Sportvereinen, Kinderheimen, Pflegefamilien und religiöser Organisationen.

Eine Royal Commission ist die einflussreichste und wichtigste Form eines Untersuchungsausschusses in Australien. Sie wird nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Zugleich ist die Royal Commission die erste Kommission, die ihre Untersuchungen zum Missbrauch nicht auf einen bestimmten institutionellen Bereich oder einen einzelnen Bundesstaat beschränkt.

Zuvor hatten einzelne Untersuchungsausschüsse die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche oder das Unrecht der Zwangsadoption und die damit verbundenen Misshandlungen von Kindern der Aborigines („Stolen Generations“) behandelt.

Nicht-öffentliche Anhörungen vor der Kommission haben im Mai 2013 in Sydney begonnen und werden in anderen Großstädten fortgesetzt. Alle, die vor der Kommission aussagen möchten, haben die Möglichkeit, sich telefonisch oder schriftlich anzumelden. Ein Team bearbeitet die Anträge, nimmt bei Bedarf Kontakt zu den Betroffenen auf und gibt Hinweise auf rechtliche, finanzielle und therapeutische Unterstützung.

Die Aufgaben der Royal Commission für die kommenden Jahre:

  • 4.000 Anhörungen (private sessions)
  • 40 öffentliche Anhörungen (public hearings)
  • 52 Forschungsprojekte
  • 12 Roundtables zu unterschiedlichen Themen
  • 250 Vollzeitbeschäftigte
  • Infrastruktur: Büros, Reisen zu Betroffenen, IT
  • Zwischenbericht, Abschlussbericht

Im Juli 2014 erschien der Zwischenbericht. Von Mai 2013 bis Mai 2014 gab es:

  • 13.000 Anrufe
  • 5.463 Briefe
  • 424.000 Dokumente
  • 246 Zeugenvorladungen (keine Betroffenen)
  • 643 Aufforderungen, Dokumente vorzulegen
  • 160 Fälle wurden der Polizei übergeben

Mehr unter: www.childabuseroyalcommission.gov.au

The Independent Inquiry into Child Sexual Abuse wurde 2014 per Gesetz eingesetzt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Besetzung des Vorsitzes nahm schließlich im Februar 2015 die neuseeländische Richterin Lowell Goddard ihre Arbeit als Vorsitzende der Kommission auf. Ins Rollen gebracht hatte die Untersuchungskommission die Aufdeckung der Missbrauchsfälle des BBC-Entertainers Jimmy Savile sowie der tausendfache Missbrauch und das Versagen der Behörden in der nordenglischen Stadt Rotherham.

Die Kommission wird bis Ende 2018 untersuchen, ob Institutionen in der Vergangenheit ihre Sorgfaltspflicht ernst genommen haben, um Kinder vor sexuellem Missbrauch in England und Wales zu schützen. Sie wird strukturelle Mängel im Kinderschutz identifizieren und Betroffene dabei unterstützen, ihre Erfahrung zu teilen. Die fünfköpfige Kommission wird von einem Betroffenenbeirat sowie einem Expertenrat unterstützt.

Mehr unter: www.iicsa.org.uk

Die historische Kommission unter dem Vorsitz von Richter Sir Anthony Hart wurde im Januar 2013 per Gesetz (Historical Institutional Abuse Northern Ireland Act 2013) eingesetzt. Ihre Aufgabe ist es zu untersuchen, ob der physische, emotionale und sexuelle Missbrauch von Kindern, die in Institutionen (Erziehungsanstalten, Kinderheime, Krankenhäuser, Jugendstrafanstalten und Internate) untergebracht waren, systematisch erfolgte und ob die Behörden versagt hatten. Im Vorfeld meldeten sich mehr als 430 mutmaßliche Opfer und sagten vor dem Acknowledgement Forum aus.

Acknowledgement Forum:

  • 4 Mitglieder
  • Anhörungen seit Oktober 2012
  • Vertrauliche Anhörung
  • Unbegrenzte Redezeit, durchschnittlich 90 Minuten
  • Audio-Recording, wenn Zeugen einverstanden sind
  • Strenger Datenschutz
  • Namen, Personen oder Institutionen werden im Bericht an die Statutory Inquiry nicht genannt

Statutory Inquiry and Investigation Panel:

  • 3 Mitglieder, 1 Vorsitz
  • Öffentliche Hearings
  • Auswertung von Dokumenten der Institutionen und Behörden
  • Auswertung des Berichts des Acknowledgement Forums
  • Unterstützung durch Witness Support Team
  • Berichterstellung bis zum 18. Januar 2016

Ein Research and Investigative Team unterstützt die Arbeit der Kommission bei der Berichterstellung und Auswertung der Anhörungen des Acknowledgement Forums und der Analyse der historischen Kontexte.

Mehr unter: www.hiainquiry.org

Internationale Berichte

Literaturliste mit internationalen Aufarbeitungsprojekten

Download (PDF, 0,3 MB)

Hilfetelefon

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch – Telefon: 0800 22 55 530. Bundesweit, kostenfrei und anonym.

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