Der Betroffenenrat

Berufung des zweiten Betroffenenrates

Am 4. Juni 2020 hat Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey die 18 Mitglieder des zweiten Betroffenenrates beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) für die Dauer von fünf Jahren berufen.

Der Betroffenenrat ist ein ehrenamtlich tätiges Gremium, das den UBSKM und seinen Arbeitsstab strukturiert berät. Die Mitglieder des Betroffenenrates setzen sich für die Belange Betroffener sexualisierter Gewalt ein und geben dem Thema ein Gesicht und eine Stimme. Sie tragen die Anliegen der Betroffenen in den politischen Diskurs und die Öffentlichkeit.

Der Betroffenenrat wurde im März 2015 erstmals konstituiert. Seine Mitglieder haben sexualisierte Gewalt in unterschiedlichen Kontexten erlebt, zum Beispiel im familiären, institutionellen und nicht-institutionellen Kontext sowie im Bereich der organisierten und rituellen Gewalt. Die Mitglieder arbeiten seit Jahren beruflich und/oder ehrenamtlich zu diesem Thema und verfügen neben individuellem Erfahrungswissen auch über spezifisches Expert*innenwissen.

Das Auswahlverfahren für den zweiten Betroffenenrat wurde im Oktober 2019 gestartet und im April 2020 abgeschlossen. Dem fünfköpfigen Auswahlgremium gehörten der Unabhängige Beauftragte, eine Vertreterin des UBSKM-Arbeitsstabes, eine Vertreterin des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie zwei - von den Mitgliedern des ersten Betroffenenrates benannten, dem Betroffenenrat jedoch nicht angehörenden – Betroffene an.

Das Auswahlgremium einigte sich einstimmig auf sieben neue Mitglieder, die nach einem differenzierten Auswahlverfahren aus mehr als 200 Bewerbungen zur Berufung vorgeschlagen wurden. Die weiteren elf Mitglieder waren bereits im ersten Betroffenenrat tätig und werden ihr Engagement fortsetzen.

Bei der Auswahl und Zusammensetzung des neuen Betroffenenrats wurden die im Kabinettsbeschluss von Dezember 2018 benannten Kriterien von Gendergerechtigkeit, Altersdiversität und unterschiedlichen Missbrauchskontexten berücksichtigt.

Durch die strukturierte Beteiligung von Betroffenen sollen die Belange von Betroffenen auf Bundesebene Gehör finden und in laufende Prozesse zum breiten Themenfeld des sexuellen Kindesmissbrauchs einfließen. Indem der Betroffenenrat bei der Entwicklung von Konzepten, Vorhaben, Stellungnahmen und Positionierungen des UBSKM mitwirkt, trägt er die Anliegen und Expertisen der Menschen, die als Kinder oder Jugendliche sexuelle Gewalt erlitten haben, in den politischen Diskurs.

Die konstituierende Sitzung des neuen Betroffenenrates fand (Corona-bedingt als digitales Format) Ende Juni 2020 statt.

Gemeinsame Pressemitteilung zur Berufung des neuen Betroffenenrats von BMFSFJ und UBSKM zum Download

Pressemittelung zur Berufung des neuen Betroffenenrats

Download (PDF, 0.2 MB, nicht barrierefrei)

Mitglieder

(Stand: Juni 2020)

in alphabetischer Reihenfolge:

Renate Bühn

(Jahrgang 1962, Bremen), Aktivistin, Künstlerin, Diplom-Sozialpädagogin, seit 1986 in politischer Selbsthilfe und Prävention aktiv. 1986 Mitgründerin der ersten Selbsthilfegruppe Darmstadt; 1987–1994 Vereinsgründung und Aufbau der Beratungsstelle Wildwasser Darmstadt. 1990 Gründung der Namenlos-Schriftenreihe zur Selbsthilfe – erstes bundesweites Forum für betroffene Frauen, um als Expertinnen sichtbar zu werden. Seit 2001 Wanderausstellung „noch immer – immer noch“ - eine künstlerische Auseinandersetzung zu sexualisierter Gewalterfahrung von Mädchen*, Jungen* und Frauen* – gegen Täter_innenschutz.

„Das Ausmaß von sexualisierter Gewalt ist seit Jahrzehnten unverändert hoch. Ich engagiere mich im Betroffenenrat, um aus Sicht 35-jähriger feministischer Fachkompetenz und Erfahrung zum Thema gemeinsam mit anderen Betroffenen Forderungen und gesellschaftliche Strategien zu erarbeiten, die grundlegend Ursachen, Ausmaß und Dunkelziffer in den Blick nehmen. Es braucht endlich eine Kultur der Aufmerksamkeit und eine Politik, die dem Ausmaß entsprechend in Prävention und Aufarbeitung, Unterstützung und Hilfe für Betroffenen, in Fachberatungsstellen, in Qualifizierung und Ausstattung von Behörden, Polizei und Justiz investiert.“

www.renatebuehn.de

Max Ciolek

(Jahrgang 1959, Osnabrück), 4 Kinder, 7 Enkelkinder, setzt sich auf verschiedenen Ebenen für ein menschenwürdiges Leben aller ein. Praktisch umgesetzt hat er das bisher u.a. als Musiker, Kulturmanager und Gründer des Vereins „Kultur für Alle Osnabrück“, der Menschen mit wenig Geld soziale und kulturelle Teilhabe ermöglicht. Sein Engagement zum Thema „Sexueller Missbrauch von Kindern“ ist noch relativ jung: so unterstützt er z.B. die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück bei ihrer Präventionsarbeit und berät als Coach in seiner „sinnfinderei“ auch Betroffene sexualisierter Gewalt.

„Ich kann erst seit einigen Jahren mein eigenes Missbrauchstrauma in positive Handlungsenergie umwandeln - allerdings gelingt es immer besser! Mein Anliegen ist es, eine Kultur der Kommunikation über sexuellen Missbrauch in unseren Gesprächsalltag zu integrieren, um Kinder besser zu schützen. Natürliches, unverkrampftes Sprechen über das Thema muss das Schweigen, das es den Täter*innen so leicht macht, verdrängen! Dabei können wir Betroffene mit unserem Erfahrungswissen eine besondere Rolle spielen.“

www.kukuk.de
www.sinnfinderei.de

Kerstin Claus

(Jahrgang 1969, Rheinland-Pfalz), Journalistin, Systemische Beraterin. 
Beruflich und ehrenamtlich macht sie sich stark für unbürokratische Beratung und Hilfen für Betroffene, die bedarfsgerecht und dauerhaft möglich sein müssen. Gesamtgesellschaftlich fordert sie den Aufbau umfassender Handlungskompetenzen, um tatsächlich Prävention und zeitnahe Intervention zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt zu erreichen. Institutionelle Aufarbeitung muss verbindlich, unabhängig und transparent sein. Es braucht eine Rechenschaftsplicht der Institutionen gegenüber Betroffenen, Gesellschaft und Politik.

„Ja, wir haben eine Vergangenheit, eine in Teilen entsetzliche Vergangenheit dazu. Dies müssen wir, dies muss auch die Gesellschaft lernen, auszuhalten. Folglich geht es bei der Frage der Entschädigung tatsächlich um Gerechtigkeit: Entschädigung eröffnet konkrete Perspektiven und Möglichkeiten individueller Zukunftsgestaltung. Das macht Vergangenes nicht ungeschehen. Aber Entschädigung schafft individuelle Gestaltungsräume, egal ob es um das Nachholen verpasster Lebenswege oder die Absicherung für eine selbstbestimmte Zukunft geht.“

www.beauftragter-missbrauch.de/betroffenenrat/aktuelles/detail/forderung-an-die-ekd-nach-besserer-einbindung-von-betroffenen-in-der-aufarbeitung

 

Ismahan El-Alaoui

(Jahrgang 1991, Berlin), studiert derzeit Kulturwissenschaften in Frankfurt/ Oder.

„Mein Ziel ist es, sexualisierte Gewalt zu enttabuisieren –  ich wünsche mir einen Diskurs, der öffentlich stattfindet und zwar in allen denkbaren Bereichen. Sowohl Politik als auch die Mehrheitsgesellschaft müssen verstärkt und unterstützend sensibilisiert werden, damit Präventions- und Schutzmaßnahmen aktiv gefördert und betrieben werden können. Die offene Thematisierung von sexualisierter Gewalt muss essentieller und originärer Bestandteil von Bildungsangeboten in Kita&Schule sein. Ich erwarte, dass politische und sexuelle Bildung verstärkt öffentlich gefördert werden. Rollenbilder, hegemoniale Männlichkeit (sichtbar zb. durch toxische Männlichkeit) vorherrschende Mythen/Bilder müssen als solche erkennbar gemacht werden, aufgehoben bzw. hinterfragt und diskutiert werden. Sexualisierte Gewalt steht nicht alleine für sich, sondern hängt mit Machtverhältnissen, patriarchalen Gewaltstrukturen und Diskriminierungsformen zusammen. Diese gilt es zu benennen, deren Entstehungsgeschichte und dessen Wirkungsmechanismen zu beleuchten und aufzuarbeiten.“

Lisa Anna Fahrig

(Jahrgang 1991, Heidelberg) Aktuell wohnhaft in Luzern, Schweiz. Medizinstudentin im Praktischen Jahr. Vor dem Studium Freiwilliges Soziales Jahr in Kiel, Tätigkeit als Rettungssanitäterin und Erste-Hilfe-Ausbilderin. Ab Oktober 2021 Facharztausbildung im Fach Anästhesiologie, Schweiz. Dies ist ihr erstes "öffentliches" Aktivwerden gegen sexuellen Missbrauch.

„Die Bewältigung sexuellen Missbrauchs ist oft eine beschwerliche Lebensaufgabe, die unglaublich viel Kraft und Geduld verlangt. Wenn ich durch meine Tätigkeit im Betroffenenrat nur ein kleines Stück dazu beitragen kann, dass in Zukunft Kinder mehr Schutz erfahren und das Hilfsangebot für Menschen, die Missbrauch erlebt haben, sich in eine bessere Richtung entwickelt, ist das schon viel wert. Durch meine nun schon einige Jahre bestehende Tätigkeit im medizinischen Bereich komme ich immer wieder in Kontakt mit Betroffenen sexualisierter Gewalt und sehe gerade im medizinisch - therapeutischen Kontext noch sehr viel Bedarf hinsichtlich Prävention und Schutz. Sowohl aus persönlichen Gründen, aber auch durch meine klinische Tätigkeit, ist es mir gerade in diesem Bereich eine besondere Herzensangelegenheit, für ein umfassendes Schutz- und Präventionsprogramm zu sorgen, damit Kinder und Erwachsene, die sich in physischer oder emotionaler Notlage hilfesuchend an eine Institution wenden vor Übergriffen und Missbrauch geschützt sind. Und auch hier ist der Aufruf an das Umfeld, das "mitschweigt" von essentieller Bedeutung, um dem Missbrauch ein Ende zu setzen.


„Nicht aufzuhalten
           Anne Steinwart

Dieses verrückte Kind
das losrennt
das Leben zu umarmen
das hinfällt
aufsteht und weiterläuft
mit zerschlagenen Knien
Dieses verrückte Kind
das Hoffnung heißt
An Liebe glaubt“

Nicolas Haaf

(Jahrgang 1977, Hamburg) Selbstständig, ist dabei, nach 8 Jahren Angebotslücke wieder ein Selbsthilfeprogramm für männliche Missbrauchsüberlebende in Hamburg mitzuinitiieren.

„Ich erwarte den gesellschaftlichen Respekt vor Menschen, die in ihrer Kindheit und Jugend sexuelle Gewalt erfahren haben. Meine Herzensangelegenheit ist der Einsatz für Männer, die als Jungen sexueller Gewalt ausgesetzt waren.“

Karl Haucke

(Jahrgang 1951, Köln) Sozialpädagoge, Supervisor, Qualitätsauditor, seit 1976 in sozialwissenschaftlicher Praxis, Forschung und Lehre unterwegs (Sozialpädagogisches Institut NRW, SoWi-Fakultät der TH Köln), Schwerpunkte: Pädagogik der Kindheit, Bildungsplanung, Qualitätsmanagement. Derzeit u.a. aktiv in der Betroffenen-Initiative "Missbrauchsopfer Josephinum Redemptoristen e.V.", als Sprecher des Betroffenenbeirates des Erzbistums Köln und in der Steuerungsgruppe zum Projekt "Wirksamkeitsforschung" des IPA - "Institut für Prävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt". Er fordert Verfassungsrang für Kindergrundrechte und entwickelt Präventionskonzepte in Bildungseinrichtungen. Grundwissen über sexualisierte Gewalt zu verankern im Ausbildungswesen und in Nachqualifizierungen für systemrelevante Berufsgruppen ist sein besonderes Interesse.

„Das in der Gesellschaft vorherrschende Bild vom Kind ist geprägt von defizitären Vorstellungen; man denkt sich Kinder als unfertige Wesen, die durch Macht und Einflussnahme zu erziehen seien. Wir müssen endlich verstehen, dass Kinder nicht erst zum Menschen werden, sondern von Anfang an Menschen sind. Erst wenn die Idee vom ermächtigten Kind angekommen ist in Ausbildung und Elternbildung, in Justiz und Politik, werden wir den Schutz vor menschenverachtenden Ausbeutern wirksam gestalten können.“

www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de

https://www.erzbistum-koeln.de/rat_und_hilfe/sexualisierte-gewalt/betroffene/betroffenenbeirat/

 

Sonja Howard

(Jahrgang 1988, Rheinland Pfalz/Nordrhein-Westfalen) Mutter von 4 Kindern und studiert Nachhaltige Sozialpolitik. Ihre Themen im Betroffenenrat sind sexuelle Gewalt im familiären Bereich, Freikirchen und Sekten, die häufige Mehrfachbelastung von Betroffenen durch körperliche und seelische Gewalt, sowie geistig-spirituellen Missbrauch. Als Referentin in Schulen, Kindergärten und Fachberatungsstellen macht sie sich stark für eine frühe, umfassende und kindgerechte Aufklärung.

Sie setzt sich auch dafür ein, dass die Themen Missbrauch und Traumafolgestörungen zwingender Bestandteil sämtlicher Kind-bezogener Ausbildungen werden, denn: „Jeder, der mit Kindern arbeitet, kennt auch Betroffene und muss wissen, wie man sie erkennt und wie man ihnen helfen kann.“ Aus eigener Erfahrung weiß sie: „Auf der einen Seite braucht es eine Entstigmatisierung von Betroffenen – niemand würde auf die Idee kommen, ein Opfer eines Autounfalls zu stigmatisieren – und auf der anderen Seite braucht es eine grundsätzliche Anerkennung des erlittenen Unrechts in Form von unbürokratischen, schnellen und individuellen Hilfen, damit jede*r Betroffene ihr_sein Leben so gestalten kann, dass die Folgen weitestgehend gelindert werden können.“

www.sonja-howard.com

Dorina Kolbe

(Jahrgang 1971, Niedersachsen), Kaufmännische Angestellte, politische Aktivistin, Blogprojekt ichhabeangezeigt.org. Dorina Kolbe ist Mitglied im Beirat des Projektes „Schutz vor sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Sport: Prävention, Intervention, Handlungskompetenz" beim LandesSportBund (LSB) Niedersachsen e. V.

„Als Betroffene bringe ich meine Erfahrungen mit dem Gesundheits-, Straf- und Entschädigungsrecht in den politischen Prozess ein. Ich nutze alle sich bietenden Möglichkeiten der Einflussnahme, um Aufklärungsarbeit zu leisten und die Interessen von Betroffenen zu thematisieren sowie durchzusetzen. Vor allem liegt mir die Unterstützung und Entschädigung von Betroffenen für eine optimale gesundheitliche Versorgung als Voraussetzung für eine Verbesserung der individuellen Lebensqualität am Herzen.“

Ilka Katrin Kraugmann

(Jahrgang 1971, Rheinland) Dipl.-Heilpädagogin und approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Seit Kindheit und Jugend ist sie von sexualisierter Gewalt und ihren Folgen betroffen, später im Studium und bis heute beruflich mit diesem Themenbereich beschäftigt und darin engagiert. Nach beruflichen Jahren in verschiedenen Bereichen der Erwachsenenpsychiatrie und Kinder- und Jugendhilfe begann sie ihre psychotherapeutische Ausbildung und wurde Mutter von Zwillingen. Heute in eigener Praxis tätig. Delegierte der Psychotherapeutenkammer NRW, dortige Gremienarbeit und auch darüber hinaus berufspolitisches Engagement für eine qualitative und flächendeckende psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Berufsethische Fragestellungen hat sie mit im Blick.

„(Sexualisierte) Gewalt basiert auf Macht und Abhängigkeit. Ich möchte meine Kraft insbesondere für betroffene Kinder und Jugendliche einsetzen, die sich noch viel weniger Gehör verschaffen und in den Blick bringen können. Das sind die Klein(st)en, Kinder und Jugendliche mit Behinderung und/oder chron. Erkrankung. Sie müssen in allen Bereichen des Engagements selbstverständlich mitgedacht werden. Auch darf es für kein Kind und keine/n Jugendliche/n mehr zu gefährlich sein, Hilfe anzunehmen.“

Claas Löppmann

(Jahrgang 1988, Niedersachsen) Staatlich anerkannter Erzieher, M.A. Pädagogik der frühen Kindheit arbeitet als pädagogische Leitung der Stadt Walsrode, lebt in der Lüneburger Heide in Niedersachsen. Er setzt sich für die flächendeckende Etablierung von Schutzkonzepten in pädagogischen Einrichtungen sowie die Verankerung von Wissen und Strategien gegen sexualisierte Gewalt in Ausbildung und Studium pädagogischer Fachkräfte ein.

„Sexualisierte Gewalt an Kindern„ flammt in der öffentlichen Wahrnehmung stets in Verbindung mit bekannt gewordenen aktuellen oder vergangenen Taten auf. Stattfinden tut sie jedoch tagtäglich in einem schmerzenden globalen Ausmaß. Ich fordere dazu auf, sich dieser mutig und stark entgegen zu stellen, Schutzkonzepte zu entwickeln und anzuwenden, wachsam zu bleiben und hinzuschauen.“

Tamara Luding

(Jahrgang 1977, Bayern) Traumapädagogin, Referentin für den Bereich Vernetzung, Auf- und Ausbau spezialisierter Fachberatung der BKSF – Bundeskoordinierungsstelle spezialisierter Fachberatung zum Thema sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend, Initiatorin und Vorstandsfrau des Vereins „Schutzhöhle e. V. – Verein zur Aufklärung und Prävention von sexuellem Missbrauch an Kindern“, Projektkoordinatorin der „Männer*beratung Oberfranken“, ehemaliger ständiger Gast der Aufarbeitungskommission und Mitglied im Nationalen Rat.

Sie arbeitet seit vielen Jahren ausschließlich zum Thema sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend. Ihr Hauptanliegen ist dabei die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung betroffener Kinder, Jugendlicher und Erwachsener im gesamten Bundesgebiet. Weitere Schwerpunkte ihres Haupt- und Ehrenamtlichen Engagements sind die Prävention von sexualisierter Gewalt in allen Kindertagesstätten und Schulen und das Implementieren des Themas in (mindestens) alle sozialen Ausbildungen. Nebenberuflich ist Frau Luding weiterhin als Beraterin für Betroffene ansprechbar und bildet als freie Referentin Fachkräfte aus Pädagogik, Psychologie, Medizin und Justiz fort.

„Ich habe mich seit vielen Jahren drei Themen verschrieben: Der flächendeckenden und bedarfsgerechten Versorgung betroffener Kinder, Jugendlicher und Erwachsener, der verpflichtenden Prävention in allen Kindertagesstätten und Schulen und der Implementierung des Themas in (zuvorderst) allen sozialen Ausbildungen und Studiengängen. Diese drei Ziele prägen sowohl mein hauptamtliches als auch mein ehrenamtliches Engagement.“

www.bundeskoordinierung.de

Angela Marquardt

(Jahrgang 1971, Vorpommern/Berlin) Diplom-Politologin, Referentin Planungsgruppe SPD-Bundestagsfraktion, Autorin, Buchveröffentlichung "Vater, Mutter, Stasi - mein Leben im Netz des Überwachungsstaates"

„Als ich es geschafft habe, meine Geschichte erzählen zu können, bekam ich u.a. die Frage: „Musst du das unbedingt auch noch öffentlich erzählen?“ Diese Verbrechen jedoch sind Alltag. Egal wo, sie werden bewusst organisiert. Darüber zu reden, muss Alltag werden. Unsere Lebensgeschichten sollten endlich zu Konsequenzen in Politik und der gesamten Gesellschaft führen. Wer Betroffene sichtbarer macht, kann ehrlichere und bessere Präventionskonzepte entwickeln. Betroffene alleine lassen und das immer wieder alltägliche Versagen von staatlichen Behörden sind oft eine weitere schmerzliche Erfahrung, die verhindert werden könnte.“

https://twitter.com/MV_AM
www.kiwi-verlag.de/buch/angela-marquardt-miriam-hollstein-vater-mutter-stasi-9783462047233

Wibke Müller

(Jahrgang 1982, geboren und aufgewachsen in Berlin) Biologiestudium an der Freien Universität Berlin und Studium der Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin; Politikwissenschaftlerin; wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Universität Freiburg. 2010 Mitorganisatorin des bundesweiten Betroffenenkongresses „Aus unserer Sicht“; seit 2009 ehrenamtliche Tätigkeit für Wildwasser Berlin e.V., von 2011 bis 2019 Vorstandfrau von Wildwasser Berlin e.V.

„Sexualisierte Gewalt gegen Kinder ist eine Menschenrechtsverletzung. Ursache sind gesellschaftliche Strukturen, die Machtmissbrauch Minderjährigen gegenüber ermöglichen, verharmlosen, normalisieren und verdecken. Wir brauchen eine internationale Vernetzung und solidarische Bündnisse, um voneinander zu lernen, denn sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige ist ein globales Thema. Die internationale Menschenrechtsarbeit gegen sexuelle Gewalt ist mir daher ein besonders wichtiges Anliegen.“

http://www.wildwasser-berlin.de/

Jürgen Wolfgang Stein

(Jahrgang 1953, Sachsen-Anhalt), M. A., im Saarland aufgewachsen. Nach dem Abitur folgten Fachhochschulstudium mit Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt und Universitätsstudium zum Magister Artium (M. A.) in Psychologie und Pädagogik sowie eine Weiterbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (Gestalttherapie). Über 40 Jahre lang arbeitete Jürgen Wolfgang Stein als Beamter, zunächst im Dienst des Bundes, dann für seine Heimatstadt Neunkirchen/Saar (zuletzt Leiter der Jugendhilfe) und nach der Wende für das Land Sachsen-Anhalt im Sozialministerium. Er hat ehrenamtlich über 15.000 Stunden meistens in führenden Positionen geleistet, etwa von 1994 bis 2006 als Gründungsvorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes, Landesverband Sachsen-Anhalt e. V., und er ist engagiertes Mitglied von Mensa in Deutschland (Gründungs-LocSec Sachsen-Anhalt). Seine Themen sind die Widerstandskraft (Resilienz) und posttraumatisches Wachstum.

„Expertenwissen bleibt unvollkommen ohne Erfahrungswissen. In Kindheit und Jugend habe ich Kräfte entwickelt, die ich zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt einsetze. Entschieden gegen Missbrauch.“

Alex Stern

(keine Altersangabe, Nordrhein-Westfalen) forscht in den Gesundheitswissenschaften und befasst sich seit Jahren (nicht nur) ehrenamtlich mit den Themen Macht und Verantwortung. Im Betroffenenrat arbeitet Alex Stern vorwiegend zu Organisierter Kriminalität und Ritueller Gewalt, zu Forschung und zur gesundheitlichen Versorgung erwachsener Gewalterfahrener.

„Der Umgang von Gesellschaft, Politik und Forschung mit Gewalt und Menschen mit Gewalterfahrung muss sich ändern: Sexualisierter Gewalt dürfen nicht strukturelle Gewalt und (Mehrfach-)Diskriminierung folgen. Wir haben das Recht auf eine Zukunft.“

Corinna Thalheim

(Jahrgang 1967, Sachsen), Betroffene der Heimerziehung der DDR (Jugendwerkhof), Vorstandsvorsitzende der Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“ e. V., Gremiumsmitglied „Ergänzendes Hilfesystem Fonds sexueller Missbrauch“ (EHS-FSM), Gruppenleiterin der bundesweit einzigen Selbsthilfegruppe für sexuellen Missbrauch in DDR- Heimen „Verbogene-Seelen“.

„Mein Anliegen ist es, dass sexueller Missbrauch kein Tabu mehr ist, Aufklärung und Aufarbeitung sind mein Ziel.“

www.betroffeneninitiative-torgau.de

Hjördis E. Wirth

(Jahrgang 1960, Berlin), Pädagogin, Unterstützerin des Vereins Lichtstrahlen Oldenburg e. V. und Administratorin des dazugehörigen Forums. Sie setzt sich für die Aufklärung, Öffentlichkeitsarbeit und Unterstützung Opfer ritueller und/oder organisierter sexualisierter Gewalt ein, welche mit den Folgen der schweren Traumatisierungen (u. a. dissoziative Störungen) zu kämpfen haben und deren Glaubwürdigkeit oftmals infrage gestellt wird. Als ständiger Gast wirkt sie in der „Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs" mit.

„Aufarbeitung der sexualisierten Gewalt an Kindern und die aufrichtige Anerkennung des Leids der Betroffenen ist der Grundstein jeder Prävention. Ich habe die Hoffnung, dass wir als Betroffene mit unserem Wissen und unseren Erfahrungen dazu beitragen können, dass tatsächlich gesellschaftliche Veränderungen angebahnt werden.“

www.lichtstrahlen-oldenburg.de/lichtstrahlen

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