Statements von Mitgliedern des Betroffenenrats

Auf unseren Social Media Kanälen verleihen die Mitglieder des Betroffenenrats mit ihren Stimmen Forderungen zum gemeinsamen Handeln gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen regelmäßig Nachdruck. Eine Auswahl von Zitaten einzelner Mitglieder findet sich hier:

Weihnachten 2020

Dezember 2020 bis Januar 2021

Für viele Familien ist Weihnachten das schönste Fest im Jahr. Für viele Kinder und Jugendliche ist es jedoch genau das Gegenteil. Ihre Familie ist für sie weder ein sicherer noch ein heiler Ort. Die Mitglieder des Betroffenenrats machen zum Weihnachtsfest auf familiären Missbrauch aufmerksam und weisen auf Hilfe-Angebote für Betroffene hin.

Tamara Luding

Und dann wird es still und man hat endlich Zeit für einander... Nutzen Sie die Zeit, um den Kindern in Ihrer Nähe zuzuhören. Was bewegt sie, über was denken sie nach und nehmen sie sich vor, dass sie offen sind für alles was da ist. Auch wenn es schwierig sein könnte, denn auch Sie sind nicht allein. Holen Sie sich bei allen Fragen Hilfe und Unterstützung.

Sonja Howard

Nonstop im Überlebens-Modus, ohne Chance auf Entspannung. Betroffene Kinder leisten Höchstarbeit während der Feiertage. Wer fängt sie im Januar auf, wenn sie psychisch völlig erschöpft wieder in Kita und Schule kommen?

Dorina Kolbe

„Unsichtbare“ Taten? Angehörige und Außenstehende haben oft eine Vermutung, wollen aber nicht überreagieren und Eltern wegen Kindeswohlgefährdung beschuldigen. Hole dir Hilfe und Unterstützung von Experten!

Nicolas Haaf

Ich habe als Kind und Jugendlicher Weihnachten mehr überlebt als erlebt – das wünsche ich keinem Kind. Für mich ist Weihnachten bis heute ein Fest der Missachtung meiner Person. Seht und hört Eure Kinder wirklich!

Ismahan El-Alaoui

Freund:innen: Denkt an euch! Telefoniert, schreibt euch! Familien: Hört zu und GLAUBT! Betroffene: Ihr seid niemals schuld! Gesellschaft: Sexualisierte Gewalt findet jederzeit und überall statt. Seid Schutzgebende und tragt Verantwortung.

Karl Haucke

Schon vor den Feiertagen kannst Du überlegen, bei welchen Nachbarn Du klingeln willst: Wenn Papa wieder ausrastet. Wenn der Onkel Dich antatscht. Wenn die Mama schreit vor Angst. Wenn der Bruder von seinen Kumpels besucht wird... Trau Dich!

Jürgen Wolfgang Stein

Stille Nacht, Heilige Nacht ist für Kinder oft auch grauenvolle Nacht. Das darf nicht sein; schreiten Sie ein. Kein Raum für Missbrauch.

Max Ciolek

Oft ist an Weihnachten die Welt für Kinder alles andere als heil. Gewalt - in welcher Form auch immer - macht auch an diesen Tagen keine Pause. Seien Sie aufmerksam, bieten Sie Hilfe an, holen sie welche: 0800 2255530.

Schulstart 2020

August 2020 bis September 2020

Mit Start des regulären Schulbetriebs nach den Sommerferien rufen Mitglieder des Betroffenenrates in Erinnerung, jetzt besonders aufmerksam zu sein, welche Signale Kinder im Zuge des Lockdowns und der anschließenden Sommerferien durch die Isolation in ihren Familien aussenden.

Ismahan El-Alaoui

Wenn Kinder und Jugendliche vielfältiges Verhalten zeigen, vermeidet voreilige Schlüsse, Vorurteile und Stigmatisierungen. Ich war kein „Klassenclown“, nicht faul und nicht dumm. Ich (ver)brauchte meine Ressourcen, um dem Unrecht, das mir geschehen ist, standzuhalten.

Renate Bühn

Schutz- und Präventionskonzepte zu Übergriffen und sexualisierter Gewalt müssen alle Kinder und Jugendliche erreichen. Das Thema muss altersspezifisch in Kita und Schule regelmäßig verankert werden. Kinder haben als zentrale Aufgabe des Staates ein Recht auf Schutz und Hilfe.

Sonja Howard

Wenn Kinder mit ihrem Lernstoff zurück liegen, liegt das nicht unbedingt an schlechtem Homeschooling, sondern daran, dass einige mit dem Überleben beschäftigt waren. Seien Sie aufmerksam, wenn Kinder sich verändert haben. Sie waren während des Lockdowns ohne Pause ihren Täter*innen ausgeliefert.

Alex Stern

Seien Sie ansprechbar für Schüler*innen mit Sorgen. Sie könnten die erwachsene Person sein, die zuverlässig da ist und den Unterschied macht. Fachberatungsstellen können Sie unterstützen, wenn Sie von Gewalt erfahren.

Jürgen Wolfgang Stein

Ferienende im Saarland und in Sachsen-Anhalt. Wohl noch nie haben sich Schulkinder so auf Schule gefreut! Unter Corona ist sexualisierte Gewalt gegen Kinder stark gestiegen. Schule muss ein Zufluchts- und Schutzort sein. Jetzt spätestens Schutzkonzepte in allen Schulen.

Max Ciolek

Liebe Lehrer*innen in Niedersachsen, Sie sind zum Start des neuen Schuljahres nicht zu beneiden ... Aber bitte: Übersehen und -hören Sie vor lauter Organisation von Maskenpflicht und Abstandsregeln nicht die offensichtlichen Zeichen von Kindern in Not!

Dorina Kolbe

In meiner Kindheit war das Zuhausesein in den Ferien oder an Weihnachten eine sehr dunkle Zeit und auch sonst gab es so gut wie keine Zufluchtsmöglichkeiten. Ich lief oft von der Familie weg und fehlte häufig in der Schule. Ein Heuboden oder auch ein Gebüsch vor der Schule waren damals meine "sicheren" Orte. Heute müssen Kitas und Schulen sichere und gewaltfreie (Zufluchts)Räume sein. Nehmt Signale wahr - schaut und hört hin!

Ilka Katrin Kraugmann

Allein 68.000-136.000 der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen sind im Schnitt in NRW Opfer von sexualisierter Gewalt. Für sie alle wünsche ich mir Lehrer*innen, die bereit sind, ihre Not wahrzunehmen und die eigenen Sorgen um ein Kind ernst zu nehmen!

Claas Löppmann

Deutlich mehr als 1.000.000 Kinder und Jugendliche des Landes Niedersachsens kehren heute zurück in Krippe, Kita und Schule. Jedes einzelne dieser Kinder braucht Menschen die zuhören, hinsehen, handeln! Schulen mit gelebtem Schutzkonzept, sind Schulen, die unsere Kinder wirklich brauchen.

Angela Marquardt

Bei uns in Mecklenburg-Vorpommern erleben Kinder im Vergleich am Häufigsten sexuelle Gewalt. Aufmerksame und sensible Lehrer*innen können helfen. Kinder brauchen das Vertrauen, dass ihnen geglaubt und geholfen wird. Behutsames Nachfragen statt ungläubig Wegsehen kann Taten aufdecken.

Nicolas Haaf

Die psychische Last, die durch den familiären sexuellen Missbrauch entstand, hatte ich bis zum 11. Lebensjahr ertragen – dann kamen die Sommerferien ohne schulische Ablenkung und ich brach zusammen. Alles war danach anders. Lehrer*innen, schaut hin, informiert Euch, hakt nach!

Tamara Luding

Zusammenhalt wird in Bayern großgeschrieben. Bayerische Schüler*innen sollten nun zum Schulstart erleben dürfen, dass Lehrer*innen besonnen und mutig nachfragen und auch bei schwierigen Berichten zuverlässig an ihrer Seite stehen.

Lisa Anna Fahrig

Gerade in Zeiten von Corona, wo Kinder gezwungenermaßen mehr Zeit im häuslichen Umfeld verbringen müssen, sind aufmerksame Lehrer*innen gefragt. Jede nach außen "noch so heile" Familie verdient genaues Hinsehen! Folgen sexualisierter Gewalt zeigen sich vielfältig - Bauchschmerzen waren als Kind mein täglicher Begleiter.

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