Von Betroffenen für Betroffene - Kongress „MitSprache“ tagt mit internationaler Beteiligung in Berlin

Berlin, 18.11.2016 Der Betroffenenrat, ein beratendes Fachgremium beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung hat zum Kongress MitSprache eingeladen. Anlässlich des 2. Europäischen Tages zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch vernetzen sich an zwei Tagen von sexualisierter Gewalt Betroffene und Unterstützer_innen, um unter dem Titel „MitSprache“ Sprechen und Austausch zu ermöglichen, sich gegenseitig zu ermutigen, politisch zu vernetzen und gemeinsam sichtbar zu werden.

Zahlreiche Vertreter_innen internationaler Organisationen wie SNAP (USA), Aguas Bravas (Nicaragua), Survivors Collective (GB) nehmen teil. „MitSprache“ ist ein Kongress von Betroffenen für Betroffene und Unterstützer_innen und findet zum ersten Mal statt. In Podien und Workshops werden vielfältige Themen fachlich diskutiert und weiterentwickelt.

Betroffenenrat: „Der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist elementar. Zugleich müssen die Belange all derer, die in der Vergangenheit von Staat und Gesellschaft nicht geschützt wurden, beachtet werden. Es braucht funktionierende Hilfesysteme, denn Betroffene sexualisierter Gewalt haben nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft.“

Der Betroffenenrat ist ein politisches Gremium, das sich im März 2015 konstituiert hat und seitdem die Arbeit des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, fachlich unterstützt.

Rörig: „Für mich steht seit meinem Amtsantritt Betroffenenbeteiligung ganz oben auf der Tagesordnung. Die Beteiligung von Betroffenen und die Beachtung ihrer vielfältigen Expertise sind konstitutiv für meine Arbeit. Nach knapp fünf Jahren im Amt des Unabhängigen Beauftragten ist für mich die Dringlichkeit einer starken Betroffenenbeteiligung ungebrochen. Ohne die spezifische Sicht und die starke Mitwirkung von Betroffenen würde der Arbeit in diesem Themenfeld eine ganz entscheidende Perspektive und Schlagkraft fehlen. Betroffene haben sich in den vergangenen Jahren durch ihre fachliche Kompetenz – in persönlicher und professioneller Hinsicht – ein Forum erarbeitet, dass Ihnen nicht mehr genommen werden darf. Eine strukturierte Betroffenenbeteiligung ist weiterhin unersetzlich. Die Politik der nächsten Legislaturperiode ist aufgerufen, entsprechende Entscheidungen zu treffen.“

Der Betroffenenrat möchte mit dem Kongress erreichen, dass sich Betroffene mit ihrem vielfältigen Wissen als Expertinnen und Experten Gehör verschaffen können – nicht nur in eigener Sache, sondern auch im Interesse der aktuell durch sexualisierte Gewalt gefährdeten und betroffenen Kinder und Jugendlichen. Betroffene haben lange Zeit dafür gekämpft, dass sexualisierte Gewalt gegen Mädchen und Jungen aufgedeckt wird und Hilfen für Opfer sowie wirksame Präventionsstrategien entwickelt werden. Die dringend notwendige Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Deutschland wurde von Betroffenen eingefordert und ins Rollen gebracht. Dieser Kongress soll dazu beitragen, dass Gründe und Ursachen sexualisierter Gewalt nachvollzogen und Verantwortlichkeiten benannt werden. Der Betroffenenrat unterstützt die Arbeit der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs und begrüßt die Teilnahme der Vorsitzenden Prof. Sabine Andresen und weiterer Kommissionsmitglieder.

Der Betroffenenrat freut sich über die europäischen und internationalen Gäste. Mit den Betroffenenvertretern_innen unter anderem aus Nicaragua, den USA, Polen, Großbritannien und Spanien geht es dem Betroffenenrat um den Austausch von Erfahrungen und Wissen, um Vernetzung sowie Schritte zu einem gemeinsamen Vorgehen auf europäischer Ebene und in internationalen Zusammenhängen. Für den Betroffenenrat steht längst fest: „Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist kein individuelles Schicksal. Kindesmissbrauch ist weltweit ein Bestandteil gesellschaftlicher Strukturen. Kindesmissbrauch betrifft jede Gesellschaft, betrifft Familien ebenso wie Bildungseinrichtungen und religiöse Gemeinschaften. Die Dunkelziffer ist seit Jahrzehnten unverändert hoch. Dieser Tatsache muss gesellschaftlich Rechnung getragen und zur Grundlage gemeinsamen Handelns werden.“

Weitere Informationen

https://beauftragter-missbrauch.de/betroffenenrat/kongress-2016/mitsprache/
https://beauftragter-missbrauch.de/betroffenenrat/der-betroffenenrat/

Ansprechpartnerin:
Kerstin Claus
kerstin.clausbetroffenenrat-ubskmde
Fon: 0171/ 349 6851

Matthias Katsch
matthias.katschbetroffenenrat-ubskmde

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Pressemitteilung vom 18.11.2016

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