Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und Missbrauchsbeauftragter Johannes-Wilhelm Rörig eröffnen Hearing „Forschung zu sexueller Gewalt – Vom Tabu zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“

Rörig: „Die enorme Dimension von sexuellem Missbrauch muss sich in den Forschungsanstrengungen widerspiegeln: Wir brauchen mehr Wissen und mehr Vernetzung der Forschungsdisziplinen mit der Praxis vor Ort, wenn wir Prävention und Intervention nachhaltig verbessern wollen!“

© Christine Fenzl Bundesforschungsministerin Prof. Wanka und Missbrauchsbeauftragter Rörig eröffnen das Hearing

Berlin. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in Europa rund 18 Millionen Kinder von sexueller Gewalt betroffen. Die deutsche Traumafolgekostenstudie spricht von rund 11 Milliarden Euro jährlich, die durch die Folgen von sexuellem Missbrauch und anderer belastender Kindheitserlebnisse in Deutschland entstehen. Angesichts dieser Größenordnung werden auf dem heutigen Hearing „Forschung zu sexueller Gewalt – Vom Tabu zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“ des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, und seines Beirates rund 250 Expertinnen und Experten über die Verantwortung von Wissenschaft und Forschung im Themenfeld des sexuellen Missbrauchs diskutieren und den künftigen Handlungsbedarf erörtern.

Rörig: „In der Vergangenheit wurde sexueller Missbrauch oft als gesellschaftliches Randphänomen betrachtet und stellte auch im Bereich von Wissenschaft und Forschung allenfalls ein Nischenthema dar. Heute wissen wir, dass die Dimension von sexuellem Missbrauch ein Problem mit weitreichenden gesellschaftlichen Folgen darstellt. Dies sollte sich auch im Engagement von Wissenschaft und Forschung abbilden. Mit dem Hearing möchten wir Expertinnen und Experten ein Forum bieten, sich über zentrale Forschungsfragen auszutauschen und gemeinsame Empfehlungen für die Zukunft zu entwickeln.“

Eröffnet wurde das Hearing durch Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. In ihrem Grußwort unterstrich sie die Bedeutung von Forschung zu sexuellem Missbrauch in Deutschland: „Schon bei der Arbeit am Runden Tisch gegen Kindesmissbrauch im Jahre 2010 wurde festgestellt, dass es nur wenig wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse zu diesem Thema gibt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat deshalb sehr schnell die Forschungsförderung auf den Weg gebracht und dafür rund 35 Millionen Euro bereitgestellt. Ziel war und ist der Aufbau einer Wissenschafts- und Forschungslandschaft, die gesicherte Erkenntnisse zum Kindesmissbrauch, zur Prävention und zur Hilfe für Betroffene bereitstellt. Mittlerweile gehört Deutschland zu den führenden Ländern in diesem Forschungsbereich.“

Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm und Sprecher der „Konzeptgruppe Forschung“ im Beirat des Unabhängigen Beauftragten betonte in seiner heutigen Keynote: „Kinderschutz und insbesondere der Schutz vor sexuellem Missbrauch gehören zu den größten Gesundheitsherausforderungen in der Welt und in Europa. Wenn wir Prävention und Intervention nachhaltig verbessern wollen, müssen wir die Forschung zu sexuellem Missbrauch künftig noch weiter im wissenschaftlichen Mainstream verorten. Dies erfordert auch, vermehrt fächerübergreifend in transdisziplinären Forschungsinitiativen zu arbeiten. Darüber hinaus müssen wir dringend Forschungsprioritäten definieren, ein kontinuierliches Monitoring etablieren, welches die Folgen von Verbesserungen in Prävention und Intervention erfasst, sowie die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis verbessern. Nur so können wir sicherstellen, dass wir über die richtigen Themen forschen und gleichzeitig die richtigen Antworten auch in der Praxis ankommen.“

Zudem soll auf dem Hearing erörtert werden, wie die zur Verfügung stehenden Ressourcen für Forschung in diesem Bereich eingesetzt werden und wie Forschungsförderung künftig durch weiterführende Forschungsinstrumente wie beispielsweise Graduiertenkollegs, Forschergruppen und Sonderforschungsbereiche vertieft werden kann.

Eine weitere zentrale Fragestellung des Hearings wird sein, wie Akteure der Praxis, beispielsweise Fachberatungsstellen, Kitas, Schulen, aber auch Betroffene, mit ihren jeweils spezifischen Perspektiven und Expertisen frühzeitig in Forschungsvorhaben eingebunden werden können, welchen ethischen Standards die Forschung über und mit Betroffenen genügen muss und wie Forschung mit der Aus-, Fort- und Weiterbildung verknüpft werden sollte.

Das Hearing findet heute von 10 bis 18 Uhr in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin statt. Im Herbst 2015 sollen die Ergebnisse in einem Forderungskatalog veröffentlicht werden. Das Forschungshearing ist das 5. Hearing des Unabhängigen Beauftragten im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Dialog Kindesmissbrauch“, die sich mit Themen befasst, die aus Sicht des Unabhängigen Beauftragten und seines Beirats in Politik und Gesellschaft weiter erörtert werden sollten.

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Pressemitteilung, 18.06.2015

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Bundesforschungsministerin Prof. Wanka und Missbrauchsbeauftragter Rörig eröffnen das Hearing

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Grußwort Bundesforschungsministerin Prof. Wanka

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Rörig mit Bundesforschungsministerin Prof. Wanka, Prof. Mayer (Leibniz-Gemeinschaft) und Prof. Fegert (Ulm) (v.l.n.r)

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Gruppenfoto Teilnehmende

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Friederike Beck
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