Instrumente

Kinder beim Seilziehen im Garten
© Christine Fenzl

Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD sieht die Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches vor, um Missbrauch in Deutschland zu ächten und einzudämmen. Der Runde Tisch hat im Jahr 2011 Leitlinien zur Prävention und Intervention verabschiedet. Darin werden passgenaue Schutzkonzepte für alle Einrichtungen gefordert, in denen Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs hat folgende Instrumente entwickelt, die eine Einführung von Schutzkonzepten in Einrichtungen unterstützen:

  1. Die Initiative „Kein Raum für Missbrauch“
  2. Vereinbarungen mit Dachorganisationen und -strukturen
  3. Ein bundesweites Monitoring zum Stand der Prävention

Diese drei Instrumente stammen aus der ersten Amtsperiode 2012/2013. Sie werden in der aktuellen Amtsperiode fortgeführt und weiterentwickelt.

Initiative Kein Raum für Missbrauch

Die Initiative „Kein Raum für Missbrauch“ verfolgt das Ziel, dass alle Schulen, Kindertagesstätten, Heime, Sportvereine, Kliniken und Kirchengemeinden Schutzmaßnahmen  gegen Missbrauch anwenden.  All diese und weitere Einrichtungen und Organisationen sollen zu Orten werden, an denen Kinder und Jugendliche wirksam vor sexueller Gewalt geschützt sind und Hilfe erhalten, wenn sie anderswo Missbrauch erfahren.

Die Initiative ist eine Weiterentwicklung der 2013 gestarteten gleichnamigen Kampagne. Während die erste Phase eine breitere Öffentlichkeit dazu ermutigte, Kindesmissbrauch zu thematisieren, geht es nun verstärkt darum, konkrete Informationen und Hilfestellungen für die Entwicklung und Umsetzung von Schutzkonzepten zu geben.

Die Initiative richtet sich an alle, die in Einrichtungen und Organisationen tätig sind und mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Sie betont die Verantwortung der Leitungskräfte für den Kinderschutz. Konzepte zum Schutz vor sexueller Gewalt stärken haupt- und ehrenamtliche Fachkräfte in ihrer wichtigen Rolle als kompetente Ansprechpersonen, bei denen Kinder und Jugendliche Hilfe und ein vertrauensvolles Gegenüber finden. Wenn Maßnahmen der Prävention und Intervention passgenau und mit Bedacht in den einzelnen Einrichtungen entwickelt werden, können Täterstrategien durchkreuzt  werden.

Ein Schutzkonzept gibt Antwort auf Fragen wie: Welche Strategien setzen Täter und Täterinnen ein, um sexuelle Gewalt zu planen und zu verüben? Welche Gegebenheiten könnte ein Täter oder eine Täterin ausnutzen? An wen wende ich mich im Falle eines Verdachts? Wie sieht ein Umgang mit Mädchen und Jungen aus, der ihre individuellen Grenzen achtet?

Die Initiative stellt auf www.kein-raum-fuer-missbrauch.de eine Fülle von Informationen und kostenlosen Materialien zum Bestellen zu Schutz und Hilfe für Einrichtungen und Organisationen bereit. Die Dachorganisationen der Zivilgesellschaft unterstützen und verbreiten die Initiative in ihren Strukturen.

Da die größte Zahl von Kindern und Jugendlichen in den über 30.000 Schulen in Deutschland erreicht werden kann, liegt hier ab Spätsommer 2016 ein Schwerpunkt der Aktivitäten.

Kinder in der Kita
© Christine Fenzl

Kitas, Kirchengemeinden, Internate, Sportvereine, stationäre Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe und weitere Einrichtungen und Organisationen sollen durch die Entwicklung und Einführung von Schutzkonzepten dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt geschützt werden. Schutzkonzepte tragen dazu bei, Kinder und Jugendliche vor sexueller Gewalt in Einrichtungen zu schützen, und helfen Kindern und Jugendlichen, die sexuelle Gewalt beispielsweise in der Familie erfahren haben, durch  geschulte und vertrauensvolle Ansprechpersonen.

In diesem Sinne schließt der Unabhängige Beauftragte Vereinbarungen mit Dachorganisationen der Zivilgesellschaft, wie zum Beispiel den Wohlfahrtsverbänden oder dem Deutschen Olympischen Sportbund, ab. Durch die Vereinbarungen soll Verbindlichkeit bei der Umsetzung der Empfehlungen zu Prävention und Intervention erreicht werden, die der Runde Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch im November des Jahres 2011 beschlossen hat.

Seit Anfang 2015 verhandelt der UBSKM mit derzeit 25 Partnern individuelle Vereinbarungen über das  gemeinsame Engagement gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche sowie konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der flächendeckenden Einführung  von passgenauen Schutzkonzepten in Einrichtungen und Organisationen vor Ort.

Informationen zu den Partnern

Mit einem bundesweiten Monitoring erhebt der Unabhängige Beauftragte in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) den Stand der Prävention sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

Das Erkenntnisinteresse bezieht sich auf Schutzkonzepte in Einrichtungen und Organisationen sowie auf förderliche und hinderliche Rahmenbedingungen, Bedarfe und Herausforderungen bei deren Entwicklung und Implementierung.

Zielsetzung ist es, Empfehlungen für Praxis, Politik und Wissenschaft zu entwickeln, die zum verbesserten Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt beitragen. Hintergrund für die Erhebungen sind die Leitlinien zur Prävention und Intervention in Institutionen des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ 2010/11.

Untersuchungsbereiche:

  • Bildung und Erziehung (Schulen, Internate, Kitas, Heime/andere Wohnformen)
  • Gesundheit (Kliniken, Kinder- und Jugend sowie Hausärzte und Psychotherapie)
  • Kinder- und Jugendarbeit (Sport, Jugendverbände, Kultur, Reisen/Schüler- und Jugendaustausche)
  • Religiöses Leben (evangelische, katholische, jüdische und muslimische Gemeinden)

Erhebungsinstrumente:

  • qualitative Erhebungen: Fallstudien guter Praxis, Gruppeninterviews, Fokusgruppen
  • quantitative Erhebungen: Stichproben/Vollerhebungen mit standardisierten Befragungen/Fragebogen ( schriftlich, online, telefonisch oder persönlich)
  • „Du bist gefragt!“ - Selbstevaluationstool für Einrichtungen und Organisationen zur Onlinebefragung von Jugendlichen. Die Ergebnisse können für das Monitoring zur Verfügung gestellt werden. 
    https://fragen-an-dich.de

Grafik:

Monitoring 2015-2018

Berichte:

  • Teilbericht 1 – „So können Schutzkonzepte in Bildungs- und Erziehungseinrichtungen gelingen!“
    Erkenntnisse der qualitativen Studien in den Handlungsfeldern Kindertageseinrichtungen, Schulen Heime und Internate
    Teilbericht 1 herunterladen
  • Teilbericht 2 – (erscheint in Kürze)
    Erkenntnisse der qualitativen Studien in den Handlungsfeldern der stationären und ambulanten Gesundheitshilfe
  • Teilbericht 3 – Datenreport DJI
    Datenreport Kita, Heime, Kliniken, Arzt- und Psychotherapiepraxen - Ergebnisses der quantitativen Befragungen
    Website zum Teilbericht 3
    Teilbericht 3 herunterladen
  • Teilbericht 4 – (erscheint voraussichtlich im Dezember 2017)
    Erkenntnisse der qualitativen Studien in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendarbeit sowie des religiösen Lebens
  • Teilbericht 5 – (erscheint voraussichtlich im Februar 2018)
    Datenreport Schule und Internate - Ergebnisses der quantitativen Befragungen
  • Abschlussbericht – (erscheint voraussichtlich im Dezember 2018)
    Integrative Analyse aller Daten (qualitativ, quantitativ und Selbstevaluationstool) - Interpretation der Ergebnisse unter Einbezug des aktuellen Forschungsstands

Erste Erhebungen 2012/2013

In den Jahren 2012/2013 hat der Unabhängige Beauftragte zum ersten Mal die Entwicklung und Anwendung von Schutzkonzepten in Einrichtungen und Institutionen erhoben. Die Ergebnisse machten deutlich, dass die rund 13 Mio. Kinder und Jugendlichen in über 200.000 Einrichtungen noch längst nicht wirksam vor sexueller Gewalt geschützt sind.

Broschüre „Handbuch Schutzkonzepte sexueller Missbrauch“

Das „Handbuch Schutzkonzepte sexueller Missbrauch“ wurde im Dezember 2013 veröffentlicht. Darin werden Basisinformationen zu Schutzkonzepten mit zahlreichen Praxisbeispielen aus Einrichtungen und Institutionen gegeben sowie die Ergebnisse der Befragungen grafisch zusammengestellt.

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