I. Klare Regeln aufstellen

  • Positionieren und Haltung zeigen
  • Community-Guidelines und leicht verständliche Nutzungsbedingungen zum Umgang mit sexueller Gewalt definieren und für alle kenntlich machen

Unternehmen regeln Rechte und Freiheiten, aber auch Pflichten und Grenzen mit einer „Hausordnung“, „Allgemeinen Nutzungsbedingungen“ oder „Community-Guidelines“. Mit diesen Regeln wird auch das Leitbild eines Unternehmens vermittelt und die Einhaltung eines respektvollen und angemessenen Umgangs definiert. Diese Haltung muss besonders explizit definiert werden, wenn es um den Schutz von Mädchen und Jungen in der digitalen Welt geht, in der sich sehr viele und sehr unterschiedliche Personen mit verschiedenen Absichten und Interessen permanent begegnen können.

Viele Kinder und Jugendliche können Gefahren im Netz nur schwer einschätzen und werden dadurch besonders leicht Opfer der Strategien von Tätern und Täterinnen. Deshalb bedarf es  einer expliziten Erwähnung und Aufmerksamkeit des Schutzes Minderjähriger vor sexueller Gewalt. Ein entsprechendes Leitbild ist daher eine tragende Säule im Bereich des Online-Kinder- und Jugendschutzes.

Beispiele:

  • IT-Unternehmen und Anbieter sollten sich deutlich und gut sichtbar gegen jede Gewalt an Kindern und Jugendlichen positionieren, unter expliziter Nennung der Gewaltformen wie Grooming, Exhibitionismus, sexualisierte Sprache oder Missbrauchsdarstellungen.
  • Verbote bestimmter Verhaltensweisen sollten klar definiert und die Konsequenzen bei Nichtbeachtung deutlich benannt sein.
  • Die unter den Nutzungsbedingungen zusammengefassten Community-Guidelines und AGBs sollten mindestens folgende Kriterien erfüllen:

    • Der Text sollte auch für Minderjährige klar verständlich sein.
    • Die Gefahren sexueller Gewalt, unter der Nennung einzelner Phänomene wie Grooming, Exhibitionismus, sexualisierte Sprache oder Missbrauchsdarstellungen, und die damit einhergehenden Schutzbemühungen und -maßnahmen sollten einen eigenen Passus erhalten.
    • Da viele Userinnen und User die oft langen und detailreichen AGBs bestätigen, ohne sie genau gelesen zu haben, sollte für jede digitale Dienstleistung ein eigenes „Produktinformationsblatt“ zur Verfügung stehen. Darin sollten auf maximal zwei Seiten die wesentlichen Punkte der Nutzungsbedingungen zusammengefasst und im Rahmen des Registrierungsprozesses den Userinnen und Usern übermittelt werden. Auch hier sollte das Thema „sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ explizite Erwähnung finden.
    • Informationen zu sexueller Gewalt im Netz, Beschwerdemöglichkeiten und Hilfeangeboten sollten leicht zugänglich sein, sodass Userinnen und User nicht proaktiv danach suchen müssen, sondern vielmehr aktiv darauf hingewiesen werden (ähnlich dem Cookie-Hinweis laut EU-Richtlinie). Dies gilt auch für Apps: Die Hinweise sollten innerhalb der Applikation abrufbar sein, ohne über die entsprechende Website umgeleitet zu werden.
    • Diese Informationen sollten sowohl in der jeweiligen Landessprache als auch mindestens auf Englisch erhältlich sein. Dabei sollten die Übersetzungen nicht maschinell und automatisiert erfolgen.
    • Die Informationen sollten regelmäßig unter Einbeziehung technischer Entwicklungen und Erfahrungen im Support bzw. von Beratungsstellen weiterentwickelt und aktualisiert werden.

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