III. Handlungsstrategien festlegen

  • Bei Regelverstößen konkrete Konsequenzen definieren
  • Kinderfreundliche Beschwerdeverfahren mit konkreten Reaktionsplänen einrichten
  • Betroffenen Hilfe anbiete

Trotz vorhandener Sicherheitsmaßnahmen findet sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche permanent im digitalen Raum statt. Deshalb ist es wichtig, Handlungsstrategien zu entwickeln, die schnell und niedrigschwellig umgesetzt werden können und sich auf alle sexuellen Gewaltformen beziehen. Es geht hierbei nicht nur um das Löschen gefährdender Inhalte oder das Sperren bestimmter Nutzerinnen und Nutzer. Die Antworten zum Kinder- und Jugendschutz müssen so vielfältig sein wie die Phänomene sexueller Gewalt selbst. Neben der sogenannten Kinderpornografie müssen deshalb auch die anderen Gewaltformen im digitalen Raum wie Grooming, die ungewollte Konfrontation mit Missbrauchsabbildungen, Sextortion oder das Chatten zu Gewaltfantasien an Kindern, die Online-Bestellung von Sexpuppen mit Kinderkörpern oder sexuelle Handlungen mit von Kindern gesteuerten Avataren eines Online-Spiels in den Blick genommen werden.

Beispiele:

  • Bereits im Regelwerk oder im Leitbild sollten für den Fall eines Verstoßes Konsequenzen konkret definiert sein, die der Dienstleister dann unmittelbar umsetzt, wie beispielsweise das Löschen eines Accounts, die dauerhafte Sperrung einer Userin oder eines Users  oder die Strafanzeige.
  • Es sollten Handlungsleitfäden sowohl für die Mitarbeitenden als auch für Userinnen und User entwickelt werden, die konkret beschreiben, wie vorgegangen werden soll, wenn sexuelle Gewalt wahrgenommen oder gemeldet wird. Für die Mitarbeitenden der Beschwerdeteams muss geregelt werden: Wie sind die nächsten Schritte, wer muss informiert werden, und wie können Betroffene unterstützt werden? Für Userinnen und User sollten Fragen beantwortet werden wie: Was soll ich machen, wenn ich etwas entdecke? Was passiert, wenn ich etwas melde? An wen kann ich mich wenden?
  • Beschwerden und Phänomene sollten dokumentiert und Dienste-intern ausgewertet werden, um zu ermitteln, welche Funktionen des Dienstes häufig missbräuchlich verwendet werden. Es sollte auch eine Bedarfsermittlung durchgeführt werden, um festzustellen, welche Möglichkeiten es gibt, um gegen eine missbräuchliche Verwendung dieser Dienste-internen Funktionen vorzugehen und das individuelle Schutzkonzept weiterzuentwickeln. Hier kommt zum Beispiel der Einsatz entsprechender technischer Mittel infrage oder je nach Dienst auch die Einrichtung geschützter Räume für Kinder oder Moderationen.
  • Das Melden von Grenzüberschreitungen und sexueller Gewalt – wie der Zusendung eines sexuell übergriffigen Textes, pornografischen Abbildungen oder Grooming mit der Absicht, sexuelle Kontakte mit Minderjährigen anzubahnen – sollte jederzeit und ohne Registrierung im jeweiligen Dienst per Button direkt bei allen Inhalten möglich sein.
  • Beschwerdemöglichkeiten müssen leicht auffindbar, kind- und jugendgerecht formuliert und mindestens in deutscher Sprache verfügbar sein. Sie sollten außerdem aktiv beworben werden.
  • Die Ausgestaltung des Beschwerdesystems sollte in Zusammenarbeit mit Fachkräften, beispielsweise einer spezialisierten Fachberatungsstelle, erfolgen. Auch sollten konkrete Ansprechpartner bei Ermittlungsbehörden und Beschwerdehotlines benannt werden.
  • Die Hinweise von minderjährigen Userinnen und Usern sollten bevorzugt bearbeitet werden.
  • Betroffene Kinder und Jugendliche, die einen sexuellen Übergriff gemeldet haben, sollten sehr zeitnah eine Reaktion seitens des Dienstleisters in deutscher Sprache mit weiterführenden Informationen erhalten, zum Beispiel zu typischen Gefühlen und konkreten Handlungshinweisen. Viele Jugendliche werden aus Scham oder aus Angst beispielsweise Chatverläufe sofort löschen wollen – was eine Verfolgung der Tat erschwert.
  • Auf verschiedene Hilfeangebote wie digitale Angebote, Fachberatungsstellen oder Hilfe-Hotlines muss explizit hingewiesen werden. Dabei ist darauf zu achten, sprachlich und in der Form altersangemessen zu handeln. Userinnen und User sollten unabhängig von einem konkreten Übergriff auf Angebote für interne und externe Beschwerdemöglichkeiten hingewiesen werden, beispielsweise auf die Angebote von jugendschutz.net oder der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM).
Sie befinden sich hier: