Cybergrooming

1. Was ist Cybergrooming?

Grooming (englisch: anbahnen, vorbereiten) ist der Fachbegriff für unterschiedliche Handlungen, die einen sexuellen Missbrauch vorbereiten. Er bezeichnet das strategische Vorgehen von Tätern und Täterinnen gegenüber Mädchen und Jungen: Sie suchen den Kontakt, gewinnen ihr Vertrauen, manipulieren ihre Wahrnehmung, verstricken sie in Abhängigkeit und sorgen dafür, dass sie sich niemandem anvertrauen.

Diese Handlungen sind als Vorbereitung zu sexuellem Kindesmissbrauch strafbar, auch wenn sie in einem Chatroom erfolgen.

Wenn Täter oder Täterinnen im Internet nach ihren Opfern suchen, nennt man das Cybergrooming: Sie nutzen verschiedene soziale Netzwerke wie beispielsweise Instagram oder Facebook oder die Chatfunktion von Online-Spielen, um den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen herzustellen.

Aus Sicht der Täter und Täterinnen hat das Internet große Vorteile: Sie können sich ausschließlich auf das Mädchen oder den Jungen konzentrieren und müssen sich keine Sorgen machen, von jemandem entdeckt zu werden. Über die Profile der Kinder und Jugendlichen erlangen die Täter und Täterinnen zudem wertvolle Informationen über Musikgeschmack oder Hobbys, die sie für ihre Zwecke nutzen.
Zugleich fühlen sich die Kinder oder Jugendlichen sicher in ihren eigenen vier Wänden, so dass die Schutzmechanismen, die im realen Leben wirken, versagen: Während sie beispielsweise selbstverständlich auf Abstand gingen, wenn sie ein Fremder im Schwimmbad bitten würde, zu ihm auf die Decke zu kommen und ein bisschen über Hobbys zu sprechen, kann es vielen Mädchen oder Jungen interessant erscheinen, im Chat von einem Erwachsenen angesprochen zu werden.

Täter oder Täterinnen geben vor, die Sorgen der Kinder und Jugendlichen zu verstehen, ihre Abneigung gegen „uncoole“ Erwachsene zu teilen und werden so zu wichtigen Ansprechpartnern, denen sie vieles anvertrauen. Die Freundschaft wird intensiv gepflegt, das Mädchen oder der Junge erlebt ein großes Interesse an seiner Person, das ihr oder ihm vielleicht in der Klasse oder der Familie fehlt. Die Täter sprechen oft (häufig schon nach den ersten Minuten) über Liebe und Sex. Sie fragen nach Aussehen, sexuellen Erfahrungen und Fantasien der Mädchen und Jungen. Diese steigen zunächst oft mit romantischen und naiven Vorstellungen in diese sexuell anzüglichen Dialoge ein. Je intensiver der Dialog mit der Person wird, die man online kennengelernt hat, desto mehr wird ursprünglich vorhandenes Misstrauen ausgeblendet.

2. Sexueller Missbrauch – online und offline

Die Täter und Täterinnen versuchen oftmals, die Annäherungen im Internet „offline“ fortzusetzen. Die vermeintlichen Online-Freunde nutzen das Vertrauen der Jungen und Mädchen aus und drängen auf ein reales Treffen. Manche verhehlen auch nicht, dass sie sexuelle Handlungen beabsichtigen.

Bei diesen Verabredungen kommt es immer wieder vor, dass Mädchen und Jungen sexuell missbraucht werden. Häufig verschweigen die Opfer, was ihnen zugestoßen ist, weil sie das Treffen vor ihren Eltern verheimlicht und damit etwas Verbotenes oder zumindest Unkluges getan haben.
Doch nicht jeder Missbrauch findet im realen Leben statt. Manche Täter und Täterinnen nutzen die Anonymität des Internets und „beschränken“ sich auf die Möglichkeiten der sexuellen Gewalt im Netz. Sie fordern beispielsweise das Mädchen oder den Jungen auf, freizügige Fotos zu verschicken.
Das Versenden von Fotos gehört für Kinder und Jugendliche – aber auch für Erwachsene – längst zum digitalen Alltag. Gerade Kinder und Jugendliche experimentieren gerne mit ihrer Selbstdarstellung, mit ihrer erotischen Wirkung auf andere und versenden entsprechende Fotos („Sexting“) im Vertrauen und der Hoffnung darauf, vom Empfänger das erwünschte positive Feedback zu bekommen.

Täter und Täterinnen nutzen dies für ihre Zwecke. Sobald das erste sexualisierte Foto verschickt ist, haben die Täter und Täterinnen ein perfektes Druckmittel in der Hand. Sie drohen dem Mädchen oder Jungen, das Bild in seinem Bekanntenkreis zu verbreiten, wenn das Kind nicht tut, was der Täter oder die Täterin verlangt. In aller Regel verlangen sie weitere Bilder, Nacktaufnahmen oder gar Masturbationsfilme. Manche Täter und Täterinnen wiederum nutzen die Materialien, um das Kind oder den Jugendlichen zu einem persönlichen Treffen zu zwingen, bei dem sie das Kind sexuell missbrauchen.

Da die Opfer selbst spüren, dass sie einen Fehler gemacht haben, fühlen sie sich schuldig und werden immer weiter in den Sog der Erpressung hineingezogen – es wird zunehmend schwieriger, sich jemandem anzuvertrauen.

3. Was können Eltern und pädagogische Fachkräfte präventiv tun?

Wichtig ist, dass Eltern und pädagogische Fachkräfte mit ihren Kindern bzw. ihren Schülerinnen und Schülern über die Risiken des Internets und das Versenden persönlicher Daten und Fotos sprechen. Was einmal im Netz landet, kann kaum noch gelöscht werden.
Dennoch kommt es vor, dass Mädchen und Jungen (wie auch Erwachsene) dem Reiz des Mediums erliegen und sich nicht ausreichend schützen. Die Schuld liegt aber auch in solchen Fällen ausschließlich beim Täter oder bei der Täterin. Dies sollten Eltern und Fachkräfte Kindern und Jugendlichen unbedingt zu verstehen geben.

In jedem Fall sollten sich Eltern und Fachkräfte als Vertrauensperson anbieten und Fachberatungsstellen und Hilfsangebote (Beratungsstellen und Hilfetelefon) in Anspruch nehmen, wo betroffene Kinder und Jugendliche Hilfe erhalten.

Weitere Informationen und Beratung:
Save me online (für Jugendliche): www.save-me-online.de
Juuuport (für Jugendliche): www.juuuport.de
Make it safe (für Jugendliche): www.make-it-safe.net
Jugend Support (für Jugendliche): www.jugend.support
Bündnis gegen Cybermobbing: www.buendnis-gegen-cybermobbing.de
Hilfetelefon Sexueller Missbrauch (bundesweit, kostenfrei und anonym): 0800 22 55 530