Bundestagung der DGfPI: Kinderrechte und Kinderschutz zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Rörig: „Kinderschutz ist keine Wohltat, sondern staatliche Pflichtaufgabe“

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Merseburg, 30.11.2017. Ansprüche und Anforderungen an Kinderrechte und Kinderschutz entsprächen oftmals nicht der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, betonte der Missbrauchsbeauftragte zu Beginn der Bundestagung der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung (DGfPI) in Merseburg. Rörig appellierte an die neue Bundesregierung, das enorme Ausmaß sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen nicht länger hinzunehmen und sich mit aller Deutlichkeit für den Schutz der Kinder und Jugendlichen einzusetzen: „Ändern Sie Ihre Prioritäten. Sparen Sie nicht am Kindeswohl! Kinderschutz ist keine Wohltat, sondern eine staatliche Pflichtaufgabe!“ Rörig forderte, dass der Kampf gegen sexuelle Gewalt im künftigen Regierungsprogramm fest verankert werden müsse und verweist auf sein Programm „Jetzt handeln“.

Die Herausforderungen bei der Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch seien enorm. Als wichtiges Handlungsfeld nannte der Unabhängige Beauftragte den digitalen Raum. „Im Netz findet Kinder- und Jugendschutz weitgehend nicht statt“, kritisierte Rörig. „Kinder und Jugendliche sind konfrontiert mit Pornografie und Exhibitionismus, Erwachsene groomen Minderjährige - Jugendliche und häufig auch Kinder werden erpresst und bloßgestellt mit Sexting-Bildern, die gegen ihren Willen weitergeleitet werden.“

Jugendschutzprogramme im Netz sind in vielen Fällen wirkungslos, der Jugendmedienschutzstaatsvertrag befindet sich schon lange nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Gleichzeitig fehlen den Ermittlungsbehörden Zeit, Geld und ausreichend Personal. Auch die Internet-Unternehmen würden ihre Möglichkeiten beim Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz nicht ausschöpfen. Leider agierten Politik, Gesellschaft und die Internet-Wirtschaft, so Rörig, „oftmals nur halbherzig, nicht konsequent und längst nicht offensiv genug“.

Rörig würdigte im Kampf gegen sexuelle Gewalt die wichtige Arbeit der DGfPI und der Fachberatungsstellen und rief dazu auf, nicht nachzulassen und gemeinsam Politik und Gesellschaft beim Kinderschutz wachzurütteln. Die DGfPI-Bundestagung behandelt am 30. November und 1. Dezember 2017 die politische und fachliche Verantwortungsgemeinschaft für Kinderschutz an den Schnittstellen Jugendhilfe, Schule, Freizeit und Gesundheitsfürsorge.

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Pressemitteilung der DGfPI vom 30.11.2017

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Rede des Unabhängigen Beauftragten

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