Fachtagung „Schutzkonzepte und Kinderschutz im Krankenhaus“ am 07. Juni 2019 in Berlin

Die Arbeit und der Umgang mit kranken und damit besonders abhängigen Kindern und Jugendlichen im klinischen Bereich gehört zu den sensibelsten Aufgaben für die Fachkräfte in Krankenhäusern. Um den Anforderungen in der alltäglichen Arbeit, aber auch in Krisensituationen gerecht zu werden, braucht es spezifisches Wissen sowie entsprechende Strukturen und Rahmenbedingungen. Wie können Schutzkonzepte in Krankenhäusern gelingen? Wie lässt sich sexualisierte Gewalt verhindern? Was brauchen Fachkräfte, um Präventionsprojekte umzusetzen?

© UBSKM

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Fachtagung „Schutzkonzepte und Kinderschutz im Krankenhaus“ am 07. Juni 2019 in Berlin, die von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Ulm (KJP) gemeinsam mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) sowie der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) veranstaltet wird.

Die Tagung gehört zu einer ganzen Reihe von Weiterbildungen im Bereich Kinderschutz, um Prävention und Intervention bei allen Formen der Kindesmisshandlung zu verbessern und versierte Schutzkonzepte im Krankenhaus vorzustellen. Das „Kompetenzzentrum Kinderschutz in der Medizin in Baden-Württemberg“ (www.comcan.de), angesiedelt an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm (KJP), hat die Aufgabe, Praktikerinnen und Praktiker aus den unterschiedlichen Versorgungsgebieten zu informieren, weiterzubilden, zu vernetzen und in die Forschung einzubinden. Der Ärztliche Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psycho-therapie Ulm, Prof. Jörg M. Fegert, hält Kompetenzzentren für einen wichtigen Baustein beim Thema Kinderschutz: „Fachkräfte im Gesundheitsbereich brauchen in Einzelfällen Beratung, z.B. durch die medizinische Kinderschutzhotline. Gleichzeitig braucht es systematische Aus-, Fort- und Weiterbildung zu Schutzkonzepten und mit modernen Mitteln wie e-Learning.“

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in ihrem Statusbericht zur Prävention von Kindesmisshandlung in Europa diesen Ansatz als nachahmenswertes Beispiel für andere europäische Länder hervorgehoben. 

An der Tagung nehmen 150 Angehörige der Heilberufe und Pflegekräfte aus ganz Deutschland teil. Sie werden in diversen Fachvorträgen zum aktuellen Forschungs- und Wissensstand in den Themen Kinder-schutz und Schutzkonzepte fortgebildet. Der Hauptgeschäftsführer der DKG, Georg Baum, betont: „Der Schutz von Kindern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der die Kliniken eine wichtige Rolle einnehmen und deren Verantwortung wir uns stellen. Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung der DKG mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs in 2016 haben wir ein wichtiges Signal gesetzt, indem wir uns klar für die flächendeckende Umsetzung von Schutzkonzepten in Kliniken aussprechen. Viele Kliniken haben bereits heute strukturiert Schutzkonzepte in ihren Einrichtungen etabliert. Vielerorts sind Kinderschutzambulanzen eingerichtet. Durch die Kooperation mit dem Universitätsklinikum Ulm setzen wir diesen Weg konsequent fort. Auf Basis dieser Zusammenarbeit ist es möglich, Mitarbeitenden in Kliniken kostenfreie E-Learning-Kurse u. a. zu institutionellen Schutz-konzepten und Gefährdungsanalysen anzubieten. Auch diese heutige Veranstaltung soll einen weiteren Beitrag leisten, die Sensibilität bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber sexualisierter Gewalt an Kindern weiter zu steigern und Kompetenzen bei der Erkennung und Verhinderung aufzu-bauen. Wir leisten somit einen wichtigen Beitrag, dass die Kliniken als Schutzraum für betroffene Kinder wahrgenommen werden und in ihnen selbst kein Raum für Missbrauch ist.“

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, begrüßt das Engagement der DKG und der KJP Ulm ausdrücklich: „Das Engagement der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Ulm im Kinderschutz ist von größter Bedeutung für einen besseren Schutz von Mädchen und Jungen vor sexueller Gewalt. Kranken-häuser spielen bei der Bekämpfung von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche eine sehr wichtige Rolle. Hier besteht die große Chance, sexuelle Gewalt zu erkennen und Mädchen und Jungen wirkungsvoll zu helfen. Die enge Beziehung zwischen medizinischen Personal und den minderjährigen Patienten kann aber auch eine Gefahr darstellen. Ich wünsche jeder Klinik, dass in ihrer Verantwortung keine sexuellen Übergriffe stattfinden und sich hier wichtige Tore zur Hilfe eröffnen. Ich erwarte von jeder Klinik und jedem Träger, dass die erforderlichen Ressourcen für einen umfassenden Kinderschutz bereitgestellt werden und Schutzkonzepte in Krankenhäusern im Alltag zur Anwendung kommen.“

Zum Stand der Entwicklung und Umsetzung von Schutzkonzepten gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen hat das Deutsche Jugendinstitut (DJI) im Auftrag des UBSKM ein umfangreiches Monitoring durchgeführt, über die Ergebnisse wird ebenfalls berichtet.

Die Teilnehmenden erhalten auch Einblicke in die Arbeit der medizinischen Kinderschutzhotline als kollegialem Beratungsangebot für Fachkräfte aus den Heilberufen und lernen die Möglichkeiten von digitalen Fortbildungsangeboten in Form von Online-Kursen kennen. 

Begleitend zur Tagung wurde eine Broschüre zu den Angeboten von Beratung und Fortbildung für Fach-kräfte aus den Heilberufen erstellt. Darin hebt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in seinem Grußwort die Erfordernis eines engen Austauschs und einer fachübergreifenden Zusammenarbeit zwischen allen Behandlern und Beteiligten hervor. Nur so kann Kindern und Jugendlichen  die erforderliche Aufmerksamkeit und Zuwendung gegeben und somit im Sinne eines bestmöglichen Kinderschutzes agiert werden.

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Pressemitteilung vom 07.06.2019

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Pressemappe vom 07.06.2019

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