PODCAST | Folge 4 | Antonia Quell

Ich persönlich bin da immer voll aggro.

Nicht jeder Mann macht es, aber jede Frau kennt es: „Ey Blondie“, „Mäuschen, komm doch mal rüber.“, Kuss- und Pfeifgeräusche oder anzügliche Gesten. Die wenigsten dieser Anmachsprüche können als Kompliment gelten, die meisten sind nichts anderes als verbale sexuelle Belästigung. Oder kurz: Catcalling. Bis vor knapp einem Jahr kannte hierzulande fast niemand den Begriff. Das hat sich schlagartig geändert, seit Antonia Quell die Petition “Es ist 2020 – Catcalling sollte strafbar sein” gestartet hat. 70.000 Menschen haben unterschrieben und heute wissen sehr viele, was ein “Catcall” ist - und auch, warum viele Männer das so toll finden: Weil sie sich dominant fühlen möchten. Und: Weil sie es können.

Folge 4: Was macht Catcalling mit jungen Frauen, Antonia Quell?

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Genau dieses Überlegenheitsgefühl möchte Antonia Quell ändern, sie möchte, dass Catcalling unter Strafe gestellt wird. „Das deutsche Recht sollte ein Wegweiser für Richtig und Falsch sein. Ein Gesetz gegen Catcalling demonstriert, dass verbale sexuelle Belästigung definitiv falsch ist,” steht auf der Website zur Petition.

In Frankreich ist Catcalling schon seit 2018 strafbar und wird mit Geldstrafen von bis zu 750 Euro geahndet. Auch in Portugal, Belgien und in den Niederlanden ist Catcalling illegal. 

Betroffen von Catcalling sind überwiegend Frauen und die können viel darüber erzählen, wie sehr das nervt. Und wie sehr es das Sicherheitsgefühl beeinträchtigt. Denn in Momenten der sexuellen Belästigung fühlen sich viele vollkommen hilflos. Da hilft auch kein gut gemeintes „Mach dir nichts draus“ oder ein “Das ist doch nur ein doofer Spruch” hinterher von Freund:innen - für viele Betroffene ist es einfach super unangenehm, von Fremden verbal ausgezogen zu werden. 

Im Gespräch mit Nadia Kailouli erzählt Antonia Quell, warum der Tag einer Frau keine 24 Stunden hat, was internalisierter Sexismus ist und warum sie sich sicher ist, dass Catcalling in wenigen Jahren sowieso strafbar sein wird.

Mehr Informationen und Hilfe-Angebote findet ihr hier:

Auf der Website der Petition könnt ihr den aktuellen Stand der Dinge verfolgen, euch in die Diskussionen und Argumente der Unterstützer:innen einlesen und findet außerdem einen aktuellen Pressespiegel zum Thema: https://www.openpetition.de/petition/online/es-ist-2020-catcalling-sollte-strafbar-sein 

Auf der Instagram-Seite “catcallsofberlin” findet ihr eine Reihe von Catcalls, die die Macher*innen sammeln und mit Kreide auf die Straßen Berlins schreiben. Ähnliche Aktionen gibt es mittlerweile in vielen deutschen Städten:
https://www.instagram.com/catcallsofberlin/  

Mit der Frage “Wie wehre ich mich gegen verbale sexuelle Belästigung?” hat sich die Journalistin Lara Thiede für “jetzt” beschäftigt und eine Expertin befragt: https://www.jetzt.de/gutes-leben/catcalling-wie-wehrt-man-sich-gegen-verbale-sexuelle-belaestigung

Hilfe und Informationen zu sexuellem Missbrauch gibt es beim Hilfe-Portal und beim Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch:
https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/startseite

einbiszwei – der Podcast über sexuelle Gewalt

einbiszwei ist der Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt. einbiszwei? Ja genau – statistisch gesehen gibt es in jeder Schulklasse in Deutschland ein bis zwei Kinder, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Eine unglaublich hohe Zahl also. Bei einbiszwei spricht Gastgeberin Nadia Kailouli mit Kinderschutzexpert:innen, Fahnder:innen, Journalist:innen oder Menschen, die selbst betroffen sind, über persönliche Geschichten und darüber, was getan werden muss damit sich was ändert. Jeden Freitag eine neue Folge einbiszwei – überall, wo es Podcasts gibt. Schön, dass du uns zuhörst.

Wenn Sie Fragen oder Ideen zu einbiszwei haben:

presse@ubskm.bund.de