Was ist strafbar?

Welche Taten sind strafbar?

Sexueller Missbrauch von Kindern gemäß § 176 StGB ist jede sexuelle Handlung, die an, von oder vor einem Kind vorgenommen wird. Bereits der Versuch eines Sexualkontaktes mit einem Kind ist strafbar. Angebliche Einwilligungen von Kindern, wie sie von Beschuldigten immer wieder vorgebracht werden, sind rechtlich unwirksam.

Die Strafandrohung bezieht sich also auch auf sexuelle Handlungen, die keinen unmittelbaren Körper- oder Hautkontakt voraussetzen:

So macht sich strafbar, wer vor einem Kind an sich selbst oder anderen sexuelle Handlungen vornimmt. Das gilt auch dann, wenn Mädchen oder Jungen solche Sex-Szenen beispielsweise per Videostream verfolgen.

Übersicht über strafbare Missbrauchshandlungen nach dem Strafgesetzbuch

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über strafbare Handlungen, die sich auf Kinder und/oder Jugendliche beziehen. Am 27. Januar 2015 ist die wichtige Reform des Sexualstrafrechts in Kraft getreten.

Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen (§ 174 StGB)

Strafbar ist der sexuelle Missbrauch durch die Eltern oder durch Täter und Täterinnen, denen Kinder und Jugendliche zum Beispiel zur Erziehung, zur Ausbildung oder zur Betreuung in der Lebensführung anvertraut sind. Das umfasst etwa Lehrerinnen und Lehrer oder Heimerzieherinnen und Heimerzieher. 

Nach der aktuellen Gesetzesänderung werden nun auch zum Beispiel Vertretungslehrerinnen und Vertretungslehrer von der Strafbarkeit erfasst, die vorher ausgeschlossen waren, weil ihnen die Kinder nicht regelmäßig „anvertraut“ waren.

Ist das Opfer zwischen 16 und 18 Jahren alt, muss für die Strafbarkeit noch hinzukommen, dass die Täter und Täterinnen die durch das jeweilige Obhutsverhältnis bestehende Abhängigkeit ausgenutzt haben.

Ebenso wurde der Schutz auf Stiefkinder, Enkel und die Kinder von Partnern ausgeweitet. Diese sind nun ebenso wie zum Beispiel leibliche Kinder bis zum 18. Lebensjahr geschützt.

Sexueller Missbrauch von Kindern (§ 176 StGB)

Sexuelle Handlungen an oder mit Kindern unter 14 Jahren sind immer strafbar. § 176 StGB benennt ausdrücklich auch die Handlungen, die Kinder an einem Täter oder einer Täterin oder an Dritten vornehmen müssen, als sexuellen Missbrauch. Eine weitere wichtige Tatvariante ist das Einwirken auf Kinder durch Pornografie.

Schwerer sexueller Missbrauch (§ 176a StGB) – liegt in den folgenden Fällen vor:

Sexueller Missbrauch durch Beischlaf oder ähnliche Handlungen (§ 176a Absatz 2 Nr. 1 StGB)

Strafbar sind alle Handlungen an Kindern, die mit dem Eindringen in den Körper verbunden sind: Analverkehr, Oralverkehr, Eindringen mit dem Finger oder Ähnliches. Die oder der Beschuldigte muss in diesen Fällen regelmäßig mit einer Freiheitsstrafe rechnen.

Gemeinschaftlicher sexueller Missbrauch (§ 176a Absatz 2 Nr. 2 StGB)

Der gemeinschaftliche sexuelle Missbrauch an Kindern, bei dem mindestens zwei Personen als Täter zusammenwirken, wird mit einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren geahndet. Hier nimmt das Gesetz eine besondere Schutzlosigkeit des Opfers an.

Sexueller Missbrauch mit der Gefahr schwerer Gesundheitsschädigung (§ 176a Absatz 2 Nr. 3 StGB)

Bestraft werden alle sexuellen Handlungen an einem Kind – oder solche, die der Täter oder die Täterin von dem Kind an sich hat vornehmen lassen –, wenn

der Täter oder die Täterin das Kind durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung oder einer erheblichen Schädigung der körperlichen und seelischen Entwicklung bringt.

Zum Nachweis der konkreten Gefährdung von Gesundheit und Entwicklung eines Kindes ist in der Regel kinder- und jugendpsychiatrischer Sachverstand gefragt.

Sexueller Missbrauch von Jugendlichen (§ 182 StGB)

Jeder Täter bzw. jede Täterin – auch Jugendliche (14- bis 18-Jährige) und Heranwachsende (18- bis 21-Jährige) – macht sich des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen strafbar, wenn er oder sie eine Zwangslage des Mädchens oder Jungen ausnutzt oder Geld für die sexuelle Handlung bezahlt.

Eine Person über 21 Jahre macht sich durch jede sexuelle Handlung mit einer oder einem Minderjährigen unter 16 Jahren strafbar, wenn das Opfer ihr gegenüber nicht zur sexuellen Selbstbestimmung fähig ist. Notwendig ist dabei nach der letzten Gesetzesänderung nicht mehr eine generelle fehlende Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung, sondern die spezielle – gegenüber dem Täter oder der Täterin – fehlende Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung.

Besitz, Erwerb und Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen

Kinderpornografie ist nach § 184b StGB die Darstellung von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen unter 14 Jahren. Um zu verdeutlichen, dass es keine erlaubten sexualisierten Darstellungen von Kindern geben kann, ist es geboten, Begriffe wie „Missbrauchsabbildungen“ oder „Missbrauchsfilme“ statt Kinderpornografie zu verwenden.

Die verbotenen Darstellungen umfassen Aufnahmen sexueller Handlungen aller Art, die vor oder an Kindern oder die von Kindern durchgeführt werden.
Seit der Gesetzesänderung vom Januar 2015 ist nun auch im Gesetz klargestellt, dass Aufnahmen eines ganz oder teilweise unbekleideten Kindes unter 14 Jahren in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung verboten sind. Auch sexuell aufreizende Abbildungen des Genitals oder des unbekleideten Pos eines Kindes sind danach nun ausdrücklich in die Strafbarkeit aufgenommen.

Herstellung, Besitz, Erwerb und Verbreitung solcher Fotos oder Filme sind strafbar – unabhängig davon, ob das Material in gedruckter oder digitaler Form vorliegt.

Die Verbreitung von „jugendpornografischen Schriften“ – also entsprechenden Darstellungen von Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren - ist ebenfalls strafbar (§ 184c StGB). Darunter fällt nach der Gesetzesänderung vom Januar 2015 auch die Wiedergabe von ganz oder teilweise unbekleideten Jugendlichen in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung. Davon ausgenommen ist allerdings die Herstellung solcher Bilder zum ausschließlich persönlichen Gebrauch, wenn die dargestellte Person in die Wiedergabe eingewilligt hat.

Es folgt ein Info-Kasten

Ebenfalls neu wird nach der letzten Gesetzesänderung nun auch die Herstellung von und der Handel mit Bildaufnahmen von nackten Kindern und Jugendlichen (unter 18 Jahren) unter Strafe gestellt (§ 201a Absatz 3 StGB). Dies betrifft Bilder, in denen Kinder und Jugendliche nicht in sexualisierter Art, sondern etwa beim Spiel, aber nackt abgebildet werden.

Fußnoten

Inhaltlich basiert dieser Text auf den Darstellungen in folgendem Buch:

Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen

Ein Handbuch zur Prävention und Intervention für Fachkräfte im medizinischen, psychotherapeutischen und pädagogischen Bereich

Herausgeber:

Prof. Dr. Jörg M. Fegert
Ulrike Hoffmann
Elisa König
Johanna Niehues
Dr. Hubert Liebhardt

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg

E-Learning Programm: Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch

Sie befinden sich hier: