Zwei Jungen sitzen auf einer Wiese, der Ältere legt den Arm um den Jüngeren

Sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen

Sexuelle Übergriffe unter Kindern oder Jugendlichen sind eine andere Form der sexuellen Gewalt als sexueller Missbrauch von Minderjährigen durch Erwachsene oder deutlich ältere Jugendliche.

Sexuelle Übergriffe unter Kindern 

Kinder können bereits im Kindergarten- und Grundschulalter sexuell übergriffiges Verhalten zeigen. Jenseits von sexuellen Aktivitäten wie beispielsweise Doktorspielen, die zum sexuellen Erkundungsverhalten von Kindern gehören, überschreiten sie die Grenzen anderer Kinder mit Gewalt, Manipulationen oder Zwang und meist unter Ausnutzung eines Machtgefälles. Manche Übergriffe dienen dazu, sexuelle Neugier gegen den Willen von betroffenen Kindern zu befriedigen. In anderen Fällen werden Übergriffe eingesetzt, um andere Kinder mit sexuellen Mitteln zu ärgern und zu demütigen. 

Sexuelle Gewalt unter Jugendlichen ist besonders online verbreitet

Im Jugendalter kommen sexuelle Übergriffe untereinander erheblich häufiger vor als sexueller Missbrauch durch Erwachsene. Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen sind vielfältig, gehen in der Regel ebenfalls mit einem Machtgefälle einher und können im Kontext von romantischen Beziehungen oder von Peergruppen entstehen. Besonders verbreitet unter Jugendlichen ist sexuelle Gewalt mittels digitaler Medien.

Gerade die Häufung von sexueller Gewalt im digitalen Raum führt oft dazu, dass die Schwere der Taten und ihr Unrechtsgehalt von den Betroffenen unterschätzt wird. 

 

Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen verarbeiten

Wie Mädchen und Jungen sexuelle Übergriffe durch andere Kinder oder Jugendliche ohne Langzeitfolgen verarbeiten können, hängt maßgeblich davon ab, wie frühzeitig schützende Personen – direkt oder von Vertrauten einbezogen – die Übergriffe bemerken, einschreiten und sich hinter die Betroffenen stellen. Für Jugendliche ist dabei auch die Unterstützung bei der Entwicklung von Selbstschutzstrategien, zum Beispiel durch das Aktivieren gemeinsamen Handelns von Gleichgesinnten, von großer Bedeutung.

Hilfe kann in vielen Fällen bereits durch pädagogisch angemessenes Reagieren von Fachkräften oder von familiären Bezugspersonen ausgehen – gegebenenfalls nach Beratung in einer spezialisierten Fachberatungsstelle. Manchmal benötigen die Mädchen und Jungen aber auch eine eigene Beratung durch eine spezialisierte Beratungsstelle, oder therapeutische Unterstützung. 

Auch übergriffige Kinder und Jugendliche brauchen Hilfe

Sexuell übergriffiges Verhalten von Kindern und Jugendlichen kann verschiedene Ursachen haben: Eigene (sexuelle) Gewalterfahrungen können (müssen aber nicht) eine Rolle spielen. Häufig handelt es sich um Jungen und Mädchen, die andere dominieren und eigene Belastungen kompensieren wollen oder die sich mit der Einhaltung von Grenzen schwertun. In der Regel liegt sexuellen Übergriffen keine auffällige Sexualentwicklung zugrunde, sondern ein problematisches Sozialverhalten. Ein Faktor kann die Demonstration von männlichem Überlegenheitsgebaren sein, die gesellschaftlich weiterhin verbreitet ist und toleriert wird.  

Um Missbrauchshandlungen in der Zukunft zu vermeiden, brauchen auch sexuell übergriffige Jungen und Mädchen pädagogische Fachkräfte, familiäre Unterstützung und in manchen Fällen Beratungs- und Behandlungsangebote durch weitere Expert:innen, die sich mit ihnen auseinandersetzen und ihnen helfen. Wichtig ist dabei, den übergriffigen Kindern und Jugendlichen verständlich zu machen, dass sie anderen mit derartigem Verhalten Schaden zufügen und sie auf seelischer und körperlicher Ebene verletzen.

Sexuelle Übergriffe von Jugendlichen und Kindern, die massiv sind, wiederholt auftreten und sich nicht durch pädagogische Interventionen stoppen lassen, können ein Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung des übergriffigen Jungen oder Mädchens sein. Pädagogische Fachkräfte sind in diesen Fällen verpflichtet, sich fachliche Unterstützung zu holen.