Ein Mädchen sitzt im T-Shirt vor einem Fenster und blickt in die Kamera

Zahlen zu sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland

In Deutschland wurden im Jahr 2020 rund 14.500 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch angezeigt. Das Dunkelfeld ist aber um ein Vielfaches größer. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass bis zu eine Million Kinder und Jugendliche in Deutschland bereits sexuelle Gewalt durch Erwachsene erfahren mussten oder erfahren. Das sind rund ein bis zwei Kinder in jeder Schulklasse. Viele dieser Fälle gehen nicht in die Kriminalstatistik ein, weil sie nie zur Anzeige gebracht werden, und bilden sich auch ansonsten nicht im Hellfeld ab.

Wie häufig ist sexueller Missbrauch?

Präzise Angaben zur Häufigkeit von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in Deutschland sind aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht möglich. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) gibt nur Aufschluss über die Fälle, die polizeilich angezeigt und strafrechtlich verfolgt werden (polizeiliches Hellfeld). Für das Jahr 2020 verzeichnet die deutsche Kriminalstatistik:

• 14.594 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch

• 18.761 Fälle von Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung sogenannter „Kinderpornografie“ 

• 3.107 Fälle von Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung sogenannter „Jugendpornografie“  

Die Zahl der angezeigten Fälle steigt  

Die Zahlen in der Kriminalstatistik steigen seit einigen Jahren stetig an. Das kann teilweise auch die Folge einer erhöhten Bereitschaft zur Anzeige sein. Besonders bei Missbrauchsdarstellungen im Internet hat sich die Zahl in den letzten fünf Jahren verdreifacht. Allein im Jahr 2020 ist sie laut PKS um über 50 Prozent gestiegen. Da nur ein kleiner Teil der Taten angezeigt oder in den Versorgungssystemen dokumentiert wird, werden sehr viele Taten statistisch nicht erfasst und bleiben deshalb im Dunkelfeld.

Eine nationale Prävalenzerhebung zu (sexueller) Gewalt gegen Minderjährige, die Forschungen zum Dunkelfeld und Verbindungen zwischen verschiedenen Hellfeldzahlen einbezieht, wie sie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert, ist in Deutschland noch nicht umgesetzt.

Die Angaben zur Häufigkeit von sexueller Gewalt, zu betroffenen Kindern und Jugendlichen sowie zu Tätern und Täterinnen sind aus sehr unterschiedlichen Quellen zusammengetragen und daher nur sehr eingeschränkt miteinander vergleichbar.

Verlässliche Einschätzungen, wie viele Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch es in Deutschland tatsächlich gibt, können nur durch umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen getroffen werden. 

Jeder siebte bis achte Erwachsene in Deutschland war von sexuellem Kindesmissbrauch betroffen

Zwei repräsentative Studien aus den vergangenen Jahren kommen zu dem Ergebnis, dass etwa jeder siebte bis achte Erwachsene in Deutschland in seiner Kindheit und Jugend sexuelle Gewalterfahrungen machen musste. Diese Zahl ist allerdings nur bedingt auf heutige Kinder und Jugendliche übertragbar: Zum einen, weil in den Studien kaum Minderjährige befragt wurden. Zum anderen war sexuelle Gewalt mittels digitaler Medien kein Gegenstand älterer Studien.

Auch ist nicht berücksichtigt, inwieweit veränderte Schutzfaktoren wie beispielsweise die Ächtung von körperlicher Gewalt in der Erziehung auch Einfluss auf die Häufigkeit von sexuellen Gewalterfahrungen haben.

Bezogen auf die Verteilung zwischen den Geschlechtern machen Mädchen etwa zwei Drittel der Betroffenen von sexuellem Missbrauch aus und Jungen etwa ein Drittel. In einzelnen Studien wird auf eine große Zahl betroffener Jugendlicher hingewiesen, die sich nicht einem der beiden Geschlechter zuordnen. Repräsentative Untersuchungen zu sexueller Gewalt gegen Mädchen und Frauen mit Behinderungen (15- bis 65-Jährige) weisen darauf hin, dass diese zwei- bis dreimal häufiger sexuellem Missbrauch in Kindheit und Jugend ausgesetzt sind als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt.